VDEW-Umfrage

Knapp die Hälfte der Haushalte wechselte seit 1998 Stromtarif (Upd.)

Überwiegend aus Preisgründen hat fast die Hälfte der deutschen Haushalte seit der Öffnung des Strommarktes 1998 zu einem neuen Anbieter oder zu einem günstigeren Tarif beim bisherigen Versorger gewechselt. Das hat eine repräsentative Studie des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) ergeben.

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Berlin (ddp/red) - Rund vier Millionen oder zehn Prozent der Haushalte entschieden sich laut der Umfrage für einen neuen Versorger. 15 Millionen Haushalte oder 37 Prozent hätten bei ihrem alten Stromanbieter ein neues Produkt gewählt. Nach Ansicht der VDEW belegen diese Zahlen, dass der Wettbewerb auf dem deutschen Strommarkt funktioniert.

"Der Preis spielt beim Wechsel die wichtigste Rolle", sagte VDEW-Hauptgeschäftsführer Eberhard Meller. Fast 87 Prozent der Befragten hätten den Strompreis als Hauptgrund für einen Anbieterwechsel angegeben. Ökologische Überlegungen würden aber immer wichtiger, sagte Meller. "Jeder fünfte Kunde, der zu einem anderen Anbieter gewechselt ist, hat sich für Ökostrom entschieden", berichtete der Verbandsgeschäftsführer. Beim Wechsel innerhalb eines Stromunternehmens habe jeder siebte Kunde auf Ökostrom umgesattelt.

Seit der letzten Untersuchung im November 2006 (VDEW-Kundenfokus) habe sich das Wechselverhalten der Stromkunden weiter intensiviert, damals gaben nur sechs Prozent der Befragten gaben jetzt an, ihren Stromversorger gewechselt zu haben.

Verbraucherschützer werteten die Daten als "ermutigendes" Signal. "Der häufige Anbieterwechsel zeigt deutlich, dass Preiserhöhungen nicht mehr ohne Weiteres durchzusetzen sind", sagte Holger Krawinkel vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) in Berlin auf Anfrage der ddp/Dow Jones Wirtschaftsnachrichten.

Im Juli und August hatten nach Angaben der Verbraucherzentrale knapp 200 Stromunternehmen ihre Preise erhöht - im Schnitt um sieben bis acht Prozent. In Zukunft sei fraglich, ob sich Stromunternehmen überhaupt noch trauen würden, ihre Preise derart kräftig anzuziehen, sagte Krawinkel. Für einige Firmen habe eine Preiserhöhung von einem Prozent zuletzt jeweils den Verlust von einem Prozent des Kundenstammes bedeutet. Die Verbraucherzentralen hatten in der vergangenen Woche eine Kampagne zum Stromanbieterwechsel gestartet, um damit mehr Preisdruck auf die Konzerne zu erreichen.

Laut VDEW wurden für die Studie die Stromkunden in der ersten August-Woche befragt. Die Preiserhöhungen zahlreicher Anbieter Anfang Juli hätten sich bereits widergespiegelt, sagte Meller. Fast ein Viertel der Kunden, die den Versorger gewechselt hatten, taten dies laut Erhebung innerhalb der vergangenen zwölf Monate.