Kein Gas für Mainz

KMW-Aufsichtsrat sieht keine Chance für Kohle-Alternative

Der Aufsichtsrat der Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW) hält am geplanten Bau eines neuen Kohleheizkraftwerks auf der Ingelheimer Aue bei Mainz fest und spricht sich gegen ein Gaskraftwerk aus. Trotzdem soll nochmals geprüft werden, ob ein strategischer Partner die Gaslieferung zu verlässlichen Preisen garantieren könne.

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Mainz (ddp-rps/sm) - Seit 2002 sei die Situation am Gasmarkt insgesamt 17 Mal geprüft worden, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende, der Wiesbadener Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU), am Montagabend nach einer Sondersitzung des Aufsichtsrats in Mainz. "Man kann mit Fug und Recht sagen: Heute ist im Markt kein Gas für ein Kraftwerk zur Verfügung", fasste Müller das Ergebnis dieser Nachforschungen zusammen.

Dennoch wolle der Vorstand des Unternehmens bis Mitte Mai noch einmal die Möglichkeit einer strategischen Beteiligungen eines Partners prüfen, der dann die Gaslieferung zu verträglichen Preisen garantieren könne, kündigte Müller an. Die Ergebnisse dieser Prüfung sollen auf einer weiteren Sonder-Aufsichtsratssitzung Mitte Mai vorgelegt werden.

Die KMW wollen auf der Ingelheimer Aue statt einer derzeit dort existierenden Gasheizkraftwerks bis 2012 ein neues Steinkohleheizkraftwerk mit einer Leistung von 823 Megawatt bauen. Dagegen gibt es massiven Widerstand in der Bevölkerung, unter anderem wurden rund 60 000 Unterschriften gegen die Genehmigung des Kraftwerks gesammelt.

Die Mainzer CDU hatte sich daraufhin vergangene Woche auf einem Sonderparteitag überraschend gegen das geplante Kohlekraftwerk ausgesprochen und ein neues Gasheizkraftwerk gefordert. Die CDU-Kreisvorsitzende Andrea Litzenburger hatte in diesem Zusammenhang auch ein Unternehmen genannt, dass nach CDU-Recherchen an einer strategischen Partnerschaft als Gaslieferant interessiert sei.

Dagegen bekräftigte Müller die Einschätzung der KMW, wonach "eine vernünftige Gasmenge zu erreichbaren Preisen" derzeit nicht zu bekommen ist. Das habe der Vorstand des Unternehmens in der Aufsichtsratssitzung klar dargelegt. Bei Marktabfrage der Gas-Union vom 5. bis 20. März dieses Jahres hätten von 21 befragten Erdgasproduzenten elf gar nicht reagiert, acht eine Absage erteilt und zwei Angebote mit den erheblich höheren Preisen des privaten Wärmemarktes unterbreitet. Das sei eine sehr klare "Antwort des Marktes", sagte Müller.

Litzenburger, die der Aufsichtsratssitzung als Gast beigewohnt hatte, begrüßte den Beschluss, noch einmal strategische Partnerschaften zu prüfen. Woanders würden Gaskraftwerke mit Hilfe von PPP-Beteiligungen gebaut, dieser Möglichkeit müsse auch in Mainz nachgegangen werden.

"Die Pauschalaussage, was dort geht, muss auch hier gehen, kann so nicht getroffen werden», wehrte sich dagegen der kaufmännische KMW-Vorstand Ralf Schodlok. Der Vorstand habe sich sehr eingehend mit dem Projekt beschäftigt und auch die ökologische Dimension genau geprüft. Kohle sei nicht die Wunschenergie gewesen. Nach dem derzeitigen Stand der Dinge komme aber nur ein Kohlekraftwerk in Frage.

Die CDU will heute einen Antrag vorstellen, mit dem der Mainzer Stadtrat aufgefordert wird, sich bei seiner nächsten Sitzung Ende April gegen das Kohleprojekt auszusprechen.