Gutachten

Klimawandel wird Auswirkungen auf internationale Sicherheit haben

Ein neues Gutachten lässt keinen Zweifel daran, dass der Klimaschutz direkt mit Fragen der internationalen Sicherheit zusammenhängt. Der Studie zufolge könne ein ungebremster Klimawandel zu erheblichen sozialen und politischen Umwälzungen führen.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (red) - Der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen (WBGU) hat der Bundesregierung sein neues Hauptgutachten "Sicherheitsrisiko Klimawandel" übergeben. Damit legt der WBGU eine umfangreiche Risikoanalyse der möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf die internationale Sicherheit vor. Schon in 15 bis 30 Jahren, so der WBGU, könne sich ein ungebremster Klimawandel negativ auf die internationale Sicherheit auswirken. Zunehmender Wassermangel, Ernterückgänge und Extremereignisse könnten zu erheblichen sozialen und politischen Umwälzungen führen. Dies würde heute bereits bestehende Bedrohungen der internationalen Sicherheit weiter verstärken, so durch schwache Staaten, Verteilungskonflikte und Migration. Auch eine klimabedingte Schwächung der Weltwirtschaft könnte die internationale Sicherheit gefährden.

In seinem Gutachten hat der Wissenschaftliche Beirat ausgewählte regionale Brennpunkte näher untersucht. Als besonders gefährdet gelte das südliche Afrika und das Gangesdelta. Millionen Menschen flüchteten dort vor Bürgerkrieg und Elend. 1,1 Milliarden Menschen lebten schon heute ohne sicheren Zugang zu ausreichend Trinkwasser. Der Klimawandel fache bereits schwelende Konflikte weiter an. Ein weiteres Beispiel sei Amazonien, wo ein Kollaps des Regenwalds unabsehbare wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen hätte.

 

Neben Entwicklungsländern seien aber auch wirtschaftlich aufstrebende Regionen wie etwa die Ostküste Chinas gefährdet. Dicht besiedelte Großstädte und industrielle Ballungszentren seien wachsenden Sturm- und Flutrisiken ausgesetzt. Das habe erhebliche ökonomische und soziale Folgen. Nach Ansicht des WBGU muss die Staatengemeinschaft schon in den nächsten 10 bis 15 Jahren handeln. So könnten negative Folgen für die internationale Sicherheit vermieden werden. Der Beirat empfiehlt der Bundesregierung folgende Maßnahmen:

  • Eine Halbierung der weltweiten Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2050 (bezogen auf 1990) ist notwendig. Die Industrieländer sollten sich für die Verpflichtungsperiode nach 2012 zu einer Minderung ihrer Treibhausgasemissionen um 30 Prozent bis 2020 verpflichten.
  • Die internationale Zusammenarbeit müsse gefestigt werden, eine handlungsfähige multilaterale Ordnung sei notwendig.
  • Reform der Vereinten Nationen umsetzen sowie Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) stärken.
  • Entwicklungshilfe ist als Sicherheitspolitik zu verstehen. Handlungsbedarf sieht der WBGU insbesondere in den Bereichen Süßwasser, Ernährungssicherheit, Katastrophenvorsorge und Migrationspolitik. Der von der EU im Jahr 2005 beschlossene Fahrplan zur Aufstockung der Entwicklungsleistungen muss unbedingt eingehalten werden. Danach sind die Gelder bis 2010 auf 0,56 Prozent und bis 2015 auf 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens aufzustocken.
  • Die Bundesregierung sollte sich weiterhin am Aufbau eines globalen Frühwarnsystems beteiligen, denn die Warnung vor Extremereignissen wird immer wichtiger.