Argumentation

Klimawandel: Wie Skeptiker ihre Zweifel begründen

Eine Gruppe von Wissenschaftlern, Politikern, Wirtschaftsvertretern und Publizisten stemmt sich gegen den wissenschaftlichen Mainstream und löst damit immer wieder Kopfschütteln aus. Eines der stets vorgebrachten Argumente lautet, dass es Schwankungen beim Klima immer schon gegeben habe.

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Berlin (dapd/red) - Es gibt wenige universelle Wahrheiten in der heute vielschichtigen Welt. Doch der Klimawandel zählt für die meisten Menschen dazu. Dass Industrialisierung und Treibhausgase zur Erderwärmung und zu Risiken wie Dürren, Unwetter oder zum Abschmelzen der Polkappen beitragen, gilt vielen als unumstritten.

Nicht so bei einer Gruppe von Wissenschaftlern, Politikern, Wirtschaftsvertretern und Publizisten, die sich gegen den wissenschaftlichen Mainstream stemmt. Einige von ihnen sind im Europäischen Institut für Klima und Energie (EIKE) zusammengeschlossen. "Wir haben nichts gefunden, was die These belegt, dass CO2 einen erkennbaren Einfluss auf das Weltklima hat", sagt Michael Limburg, Vizepräsident des Instituts. Er äußert deutliche Skepsis an den Modellen anderer Klimawissenschaftler, die er als "computergestützte Spekulationen" bezeichnet. Klimaschwankungen habe es schon immer gegeben - ein gängiges Argument der Klimaskeptiker.

Himalaya-Gletscher nähren Zweifel an Klimawandel

"Dass Thesen strittig sind in der Wissenschaft, ist das Normalste auf der Welt", sagt Limburg. Als fragwürdig bezeichnet er es hingegen, dass die Politik unter anderem auf Basis des Berichts des Weltklimarats IPCC von 2007 ganze Volkswirtschaften dazu zwinge, auf Kohlendioxid-Vermeidung umzustellen. Das EIKE lehnt "jegliche Klimapolitik als einen Vorwand ab, Wirtschaft und Bevölkerung zu bevormunden und das Volk durch Abgaben zu belasten", heißt es auch auf der Homepage des Instituts.

In den Augen Limburgs sind die Schlussfolgerungen des IPCC-Berichts falsch. Die Autoren stellen dort unter anderem fest, dass die Folgen des Klimawandels noch dramatischer ausfallen als zuvor erwartet. Limburg erkennt dagegen im gesamten Bericht des Weltklimarats keinen Hinweis, dass der CO2-Ausstoß verantwortlich für den Klimawandel sei. Er zweifelt auch an, dass sich das Klima über die Jahre hinweg überhaupt verändert habe.

Der Weltklimarat war zu Beginn des Jahres von verschiedenen Seiten scharf kritisiert worden, weil im letzten großen Bericht von 2007 falsche Angaben zu Gletschern im Himalaya sowie eine fehlerhafte Prozentangabe zu überflutungsbedrohten Gebieten in Holland aufgetaucht waren - Wasser auf die Mühlen der Skeptiker.

Stefan Rahmstorf vom Potsam-Institut für Klimafolgenforschung räumt ein, dass dem Weltklimarat Fehler unterlaufen seien. Inhaltlich weist er die Bedenken der Klimaskeptiker jedoch zurück. "Aus wissenschaftlicher Sicht geht die Erderwärmung seit 30 Jahren voran", sagt Rahmstorf, der Mitautor des IPCC-Berichts gewesen ist. Das Argument der Skeptiker, die Sonnenaktivität sei schuld an der Erwärmung, lässt er nicht gelten. "Die Leuchtkraft der Sonne war in den letzten Jahren so schwach wie nie seit Beginn der Satellitenmessungen in den 70ern." An den Messdaten könne man zudem ablesen, dass die Zahl der Extremwetterereignisse zunehme.

Bundesregierung glaubt an Erderwärmung

Auch die Bundesregierung bekennt sich in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion zur Arbeit des Weltklimarats. Sie "stützt sich in ihrer Beurteilung des Klimawandels auf die Einschätzungen des zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC), dessen Berichte den aktuellen internationalen wissenschaftlichen Erkenntnisstand zum Klimawandel darstellen", heißt es etwa in der Antwort, die jüngst erschienen ist. Der IPCC-Bericht von 2007 habe "eine eindeutige Erwärmung des Klimasystems festgestellt".

Limburg sieht wirtschaftliche Gründe, warum sich Politiker weltweit mehr oder weniger konsequent dem Kampf gegen den Klimawandel verschrieben haben. Es gehe um Umverteilung. Und damit meint er eine Umverteilung von unten nach oben. Von der mittelfristigen Umstellung auf erneuerbare Energien profitierten in Deutschland vor allem Besserverdienende, die es sich etwa leisten könnten, eine Solaranlage auf dem Dach installieren zu lassen, die sich nach wenigen Jahren amortisiert habe. Die Kosten dafür zahlten wegen des Erneuerbare-Energien-Gesetz die Stromverbraucher.

Die Klimaskeptiker - Sprachrohr mächtiger Konzerne?

Kritiker sehen das völlig anders: Sie werfen den Klimaskeptikern Lobbyismus im Sinne mächtiger Konzerne vor. Limburg etwa ist Mitglied im Expertengremium von CFACT Europe, dessen amerikanische Mutterorganisation nach Recherchen von Greenpeace in den Jahren 2000 bis 2007 vom amerikanischen Ölmulti Exxon Mobile mit 577.000 US-Dollar unterstützt wurde. Das bestritt auch Holger Thuss, Präsident des EIKE und einer der Gründer von CFACT Europe, zuletzt in einem Interview nicht.

Er und Limburg verweisen jedoch darauf, dass auch die Klimawissenschaft in den letzten Jahren ordentlich profitiert habe. Seit 1990 seien 70 bis 75 Milliarden US-Dollar in die Klimaforschung investiert worden. Den immer wieder vorgebrachten Vorwurf des Lobbyismus weisen beide zurück.

Pünktlich zur Halbzeit der Weltklimakonferenz im mexikanischen Cancún werden die Klimaskeptiker Gelegenheit haben, ihre Sicht der Dinge zu präsentieren. Für Freitag und Samstag lädt das EIKE gemeinsam mit der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung und CFACT Europe zur Internationalen Energie- und Klimakonferenz in Berlin. Ziel der Veranstaltung ist eine "wissenschaftliche Debatte der naturwissenschaftlichen, ökonomischen und politischen Kontroverse jenseits des medien- und politikgerechten Mainstreams", wie es in der Einladung zu der Konferenz heißt.