Chancen und Risiken

Klimawandel am Bodensee deutlich sichtbar

Wie das baden-württembergische Umweltministerium mitteilt, ist die Bodenseeregion nach den vorliegenden Erkenntnissen und Prognosemodellen überdurchschnittlich von der globalen Erderwärmung betroffen. Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) stellte in Langenargen eine entsprechende Untersuchung vor.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Stuttgart/Langenargen (red) - "Wir können anhand vielfältiger Parameter belegen, dass sich das Klima in der Bodenseeregion in den vergangenen Jahrzehnten bereits deutlich verändert hat", erklärten Umweltministerin Tanja Gönner und die Präsidentin der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW), Margareta Barth gestern im Seeinstitut der LUBW in Langenargen. Dazu zählten neben langfristigen Wetteraufzeichnungen, hydrologische und geologische Daten sowie Verschiebungen in den Öko-Systemen.

Nach einer vom Umweltministerium in Auftrag gegebenen Studie wird in den kommenden 50 Jahren in der Bodenseeregion mit einer Zunahme der jahresdurchschnittlichen Lufttemperatur von 1,7 Grad Celsius gerechnet. Dieser Wandel führt zu weitreichenden Problemen. So ist beispielsweise von einer Zunahme von Wetterextremen auszugehen. "Während die Summe der Niederschläge im Sommerhalbjahr in der Bodenseeregion nahezu unverändert bleibt, wird voraussichtlich im Winterhalbjahr 25 Prozent mehr Niederschlag fallen", so Gönner. "Der Klimawandel wird die Bodenseeregion vor große Herausforderungen stellen. Dabei ergeben sich Risiken, aber auch Chancen." Vor allem im Frühjahr und Frühsommer stiegen die Hochwassergefahren. Andererseits nehme die Pufferkapazität der Alpen für die Niederschläge im Winter durch die höhere Schneefallgrenze ab und die Regenfälle fließen direkt dem See zu. Die Trinkwasserversorgung sei damit langfristig gesichert.

Wärmere Sommermonate und trockene Witterung könnten die Attraktivität der Bodenseeregion vor allem als europäischer Tourismusstandort weiteren Auftrieb geben. In der Landwirtschaft als weiterem wichtigem ökonomischem Standbein in der Region wachse dagegen der Anpassungsdruck. Betroffen seien vor allem die Obstbauern, die gezwungen seien auf neue Sorten umzustellen, die gegen Trockenheit und dem vermehrten Auftreten von Schädlingen resistent sind. "Die im Frühjahr zur Obstbaumblüte zunehmend feuchte und warme Witterung begünstigt die Vermehrung von Schädlingen wie dem Apfelwickler", so Margareta Barth. Das Risiko von Ernteschäden werde ohne Anpassungsmaßnahmen zunehmen.

Veränderungen im Ökosystem Bodensee seien bereits heute deutlich sichtbar, erläuterte Barth. Sowohl im See als auch in der Umgebung wird die Ansiedlung neuer Tier- und Pflanzenarten beobachtet. Dies könne beim Fehlen natürlicher Feinde zu einer Verdängung heimischer Arten führen. Während einige Neuankömmlinge derzeit keine Probleme bereiteten, beobachten die Forscher das vermehrte Auftauchen von anderen mit großer Sorge. So sei die aus Amerika eingeschleppte Beifuß-Ambrosie "extrem allergieauslösend".

Umweltministerin Gönner erklärte, dass ein systematisches Umweltmonitoring als Frühwarnsystem wachsende Bedeutung bekommen werde. "Wir müssen den Klimaschutz zwar vorantreiben. Eine Umkehr werden wir aber nicht erreichen können. Deshalb ist es mit entscheidend, rechtzeitig notwendige Vorkehrungen treffen zu können." Weitere Forschungsarbeiten sollen außerdem, Aufschluss über zu erwartende weitere Auswirkungen des Klimawandels in der Bodenseeregion und im Land geben. So solle die Zusammenarbeit mit Bayern und dem Deutschen Wetterdienst im Projekt Klimaveränderung und Wasserwirtschaft (KLIWA) weiter fortgesetzt werden.

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