Gipfel in Toyako

Klimaforscher Schellnhuber lobt G8-Beschlüsse - Kritik von Töpfer

Der Leiter des Potsdamer Klimaforschungsinstituts, Hans Joachim Schellnhuber, sieht in den Klimabeschlüssen des G8-Gipfels von Toyako einen "großen Schritt nach vorn". Der ehemalige Direktor des UN-Umweltprogramms, Klaus Töpfer, kritisierte jedoch die G8-Vereinbarungen, die nicht mehr als ein zartes Bekenntnis zum Klimaschutz seien.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Hannover/Frankfurt/Main (ddp/sm) - Das Ziel, den Kohlendioxidausstoß weltweit bis zum Jahr 2050 zu halbieren, gehe weit über die Festlegungen des letztjährigen Gipfels von Heiligendamm hinaus, sagte Schellnhuber der "Frankfurter Rundschau". "Völkerrechtlich für alle verbindliche Regelungen zum Klimaschutz können aber nur im UN-Rahmen beschlossen werden", sagte er.

Allerdings sei es auf der Konferenz weder gelungen, für das Halbierungsziel das Basisjahr 1990 festzuschreiben, noch sich Zwischenziele zu setzen, sagte Schellnhuber. Für die EU verstärke sich jetzt die Notwendigkeit, sich bereits für das Jahr 2020 ehrgeizige Reduktionsverpflichtungen aufzuerlegen.

Anders sieht das Töpfer: "Für den Klimaschutz hat sich in Toyako nicht viel getan", sagte er der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse". "Wir benötigen wesentlich schnellere Weichenstellungen als jetzt beim G8-Gipfel vorgezeichnet", sagte Töpfer. Von der UN-Klimaschutzkonferenz im nächsten Jahr in Kopenhagen erwarte er ein Abkommen mit konkreten Minderungszielen bis 2050 samt verbindlicher Zwischenziele und Überprüfungsmechanismen.

Um Schwellenländer wie Indien und China auf konkrete Klimaziele zu verpflichten, benötigten diese konkrete Hilfen, sagte Töpfer. "Sie müssen die finanziellen und technischen Möglichkeiten erhalten, um gegensteuern zu können", sagte der ehemalige Bundesumweltminister. Dafür seien Vereinbarungen zur technologischen Zusammenarbeit nötig.

Kernkraft als Brückenfunktion?

Schellnhuber sagte, die Kernkraft könne in Deutschland beim Klimaschutz allenfalls eine "gewisse Brückenfunktion" ausfüllen. Für besonders sichere Meiler könne eine Laufzeitverlängerung ins Auge gefasst werden. Damit verbundene Gewinne sollten einem Klimafonds zugute kommen, der Investitionen in erneuerbare Energien vorantreiben würde. "Für einen Neubau von Kernkraftwerken in Deutschland sehe ich weder eine Notwendigkeit noch eine Berechtigung", sagte Schellnhuber.

Töpfer sagte, die Kernenergie könne höchstens für eine Übergangszeit als ergänzende Option eine Rolle spielen.