Statement

Klimaforscher Edenhofer nennt Ausbau der Atomkraft überflüssig

Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung hält den Bau zusätzlicher Atomkraftwerke für volkswirtschaftlichen Unsinn. Die Risken seien nur schwer kalkulierbar, Alternativen gebe es genug. Edenhofer benennt drei Haupt-Energiestrategien.

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Frankfurt/Main (ddp/sm) - Der Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Ottmar Edenhofer, hält einen Ausbau der Atomkraft für unnötig, um den Klimawandel noch beherrschbar zu halten. Zusätzliche Atomkraftwerke seien volkswirtschaftlich unsinnig, weil es ökonomisch zumindest gleichwertige Alternativen gebe, sagte Edenhofer in einem Interview der "Frankfurter Rundschau" (Montagausgabe) laut Vorabbericht. Besser sei es, in die drei Haupt-Energiestrategien Energieeffizienz, erneuerbare Energien und kohlendioxidarme Kohle- und Gaskraftwerke zu investieren.

Edenhofer, der Mitglied im UN-Klimarat IPCC ist, warnte vor den Risiken einer Atom-Klimastrategie. So müssten mehrere hunderte Atomkraftwerke zu den weltweit derzeit vorhandenen 435 hinzugebaut werden, um nur den Atomanteil bei einem global wachsenden Stromverbrauch konstant zu halten. Der Übergang auf die Schnelle-Brüter-Technologie könne nur theoretische Lösung sein. Diese entschärfe zwar die dann entstehenden Probleme Uran-Knappheit und Endlagersicherheit. "Aber erkauft würde dies durch den Einstieg in die Plutoniumwirtschaft, und die kann im Zeitalter permanenter terroristischer Bedrohung als Zukunftsmodell für eine globale Energiewirtschaft nicht ernsthaft in Erwägung gezogen werden", sagte Edenhofer. Zudem verwies er auf die zahlreichen Störfälle bei bisherigen Brüter-Reaktoren.

Edenhofer drängte darauf, die Energieversorgung möglichst schnell mit der Orientierung auf Effizienz, erneuerbare Energien und Endlagerung von Kraftwerks-Kohlendioxid in der Erdkruste umzubauen. "Bis 2020 müssen die neuen Strukturen stehen" sagte er. Sonst sei eine Begrenzung des Klimawandels auf die noch tolerablen zwei Grad Erwärmung nicht zu schaffen. "Die Weichen müssen schnell gestellt werden, sonst ist die Option verspielt" mahnte Edenhofer. Der Umbau werde rund ein Prozent des weltweiten Sozialprodukts kosten. Die dadurch vermiedenen Schäden lägen allerdings weit höher. Sie könnten bis zu 20 Prozent des Sozialprodukts betragen.