Gegen Vattenfall

Klage gegen Starkstromleitung durch den Thüringer Wald

Die thüringische Stadt Großbreitenbach wird gegen den Bau einer 380-Kilovolt-Hochspannungsleitung klagen, die quer durch den Thüringer Wald führen soll. Vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) in Weimar werde am Freitag eine Klage gegen das Projekt eingereicht, sagte Bürgermeisterin Petra Enders (Die Linke) gestern in Erfurt.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Erfurt (ddp-lth/sm) - Es solle geklärt werden, ob der Bau der Trasse quer durch den Fremdenverkehrsort Großbreitenbach erforderlich ist. Nach Auffassung der Bürgermeisterin widerspricht der Trassenbau der örtlichen touristischen Entwicklung. Mit der Freileitung werde in das Landschaftsbild Thüringens eingegriffen. Dies habe enorme Auswirkungen auf den Tourismus. Eine Studie im Auftrag von 30 Landkreisen und Kommunen soll zudem die Notwendigkeit des Trassenbaus überprüfen.

Der Energiekonzern Vattenfall will die Trasse errichten, um Energie aus Windkraftanlagen von der Küste aufzunehmen. Weil die Trasse mehrere Naturschutzgebiete durchschneidet, ist sie stark umstritten. Der Erfurter Rechtsanwalt Martin Kupfrian, der die Klage einreichen wird, warf dem Energiekonzern vor, die Belange des Tourismus nicht zu berücksichtigen. Immerhin zähle Großbreitenbach rund 30.000 Übernachtungen im Jahr, im Thüringer Wald insgesamt seien es im Vorjahr 4,1 Millionen Übernachtungen gewesen. Im Vergleich dazu hätten in Erfurt, Eisenach, Jena und Weimar 1,7 Millionen Touristen übernachtet.

"Der Thüringer Wald bringt die meisten Übernachtungen. Deshalb ist er zu erhalten", sagte Kupfrian. Er verwies auf die zahlreichen überregionalen Wander-, Reit- und Skiwege in der Region. Von der Trasse betroffen seien auch rund 100 Kleinlaubenbesitzer sowie Besucher von Campingplätzen. Durch die 100 Meter hohen Stromleitungen wäre der Thüringer Wald kein unberührtes Naturerlebnis mehr. "Großbreitenbach will nicht als Wahrzeichen Strommasten im Wappen haben", sagte der Anwalt.

Enders kritisierte die Ignoranz des Energiekonzerns gegenüber der Umwelt. Mit der Bau der Trasse würde der Energiekonzern eine riesige Schneise durch das "grüne Herz Deutschlands" schlagen. Der Starkstromleitung müssten zudem etwa 6500 Weißtannen und Buchen weichen, die erst 2001 als Ausgleich für den Bau eines Umspannwerks angepflanzt worden waren.