Interpretationshoheit

Klärungsbedarf bezüglich Windstudie

Die dena-Netzstudie, die die Folgekosten des Windkraftausbaus beziffert, wurde am heutigen Mittwoch noch nicht veröffentlicht - obwohl sich alle Beteiligten über die wesentlichen Ergebnisse einig sind. Nur werden diese offensichtlich unterschiedlich interpretiert. Bis Ende des Monats sollen die bestehenden Unstimmigkeiten ausgeräumt werden.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Berlin (red) - Trotz grundsätzlicher Einigkeit über die Inhalte konnte am Montag die dena-Netzstudie noch nicht abgenommen werden - offensichtlich verlangt die Studie noch Nacharbeiten, besteht zwischen den Beteiligten noch Klärungsbedarf.

Vertreter der Stromkonzerne hatten auf einen Passus bestanden, wonach das gesetzlich festgelegte Recht auf die vorrangige Einspeisung von Naturstrom gelockert werden solle - dieser Forderung aber wollten die Ökostrom-Vertreter nicht entsprechen. Nur folgerichtig wurde die Studie am heutigen Mittwoch auch nicht veröffentlicht; eine entsprechende Pressekonferenz hatte die dena zuvor abgesagt. Zugleich liegt auf der Hand, dass die noch offenen Fragen alsbald geklärt werden sollen.

Michaele Hustedt: "Mach- und finanzierbar"

Michaele Hustedt, energiepolitische Sprecherin der Bündnisgrünen, hat indes das wesentliche Ergebnis der Studie hervorgehoben: Die Integration der Windkraft in die Netze sei mach- und finanzierbar. Durch den geplanten Ausbau der Windenergie wird bis 2015 ein Trassenneubau von Hochspannungsleitungen von rund 850 Kilometer notwendig, die zusätzlich zu den bereits existierenden 36.000 Kilometern gebaut werden müssen. Insgesamt sind damit Kosten bis zum Jahr 2015 von rund 1,15 Milliarden Euro verbunden. Der Durchschnittshaushalt würde nach Schätzungen des Bundesumweltministeriums mit etwa einem Euro pro Jahr zusätzlich belastet.

Keine Blackouts

Mit dem Ausbau der Windenergie sind also relativ hohe, verhältnismäßig aber moderate Investitionskosten in die Netzinfrastruktur verbunden - das ist eine wesentliche Erkenntnis der Studie. Die andere ist jene, dass "Katastrophenszenarien", wie sie im Vorfeld gelegentlich verbreitet wurden, übertrieben waren. Michaele Hustedt dazu: "Die Gefahr der Blackouts bei einem plötzlichen Spannungsabfall, zum Beispiel nach einem Kurzschluss, ist ein Übergangsproblem, welches von den Netzbetreibern selbst verursacht wurde. Dieses Anfangsproblem des Windenergieaufbaus kann durch beschleunigtes Repowering und Nachrüsten der alten Anlagen zeitnah behoben werden. Die neuen Anlagen sind dafür ohnehin gerüstet. Das macht das Bereithalten von Reservekraftwerken überflüssig".

Wirtschaftsverband Windkraftwerke: "Nicht scheitern lassen"

Es sei "bedauerlich", dass die Studie - trotz grundsätzlicher Einigkeit - noch nicht endgültig hätte abgenommen werden können, sagte der Vorsitzende des Wirtschaftsverbandes Windkraftwerke (WVW), Dr. Wolfgang von Geldern. Grund dafür seien mehrere missverständliche Formulierungen gewesen, die man nicht habe ausräumen können. "An solchen Marginalien darf eine für die künftige deutsche Elektrizitätsversorgung so wichtige Studie nicht scheitern", sprach sich von Geldern für eine Fortsetzung der Gespräche zur dena-Netzstudie aus.

VDEW: "Windenergiebranche weigert sich"

Auch die deutschen Stromunternehmen seien unverändert an einem Konsens zu dem Gutachten interessiert", erklärte Eberhard Meller, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW). Allerdings verweigere die Windenergiebranche, die Ergebnisse der dena-Netzstudie zu akzeptieren und den Abschlussbericht anzunehmen. "Die Windbranche will insbesondere die Bewertung der nachteiligen Auswirkungen des Windkraft-Zubaus auf die Versorgungssicherheit in Deutschland und Europa nicht akzeptieren", so Meller. Das gelte auch für die in der Studie dokumentierten Mehrkosten der Windenergie.

CDU: "Regierung muss Ausbaupläne überdenken"

Der umweltpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Dr. Peter Paziorek, hat sich indes für eine zügige Auswertung und Umsetzung der Studie ausgesprochen. Erste Weichenstellungen, so Paziorek, sollten bereits im Rahmen der anstehenden Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) vorgenommen werden. "Die Bundesregierung ist aufgefordert, ihre Pläne für den Ausbau der Windenergie neu zu überdenken", sagte Paziorek. Die Netzstabilität und Versorgungssicherheit könne in Zukunft nur dann aufrechterhalten werden, wenn der Netzausbau mit dem Ausbau der Windenergie Schritt halten könne - und das sei derzeit nicht gewährleistet.