Abschaltung gefordert

KKW Brunsbüttel: Reaktionen auf DUH-Vorwürfe (Upd.)

Um die Sicherheit der Kernkraftwerks Brunsbüttel in Schleswig-Holstein ist ein Streit entbrannt. Grünen-Chef Reinhard Bütikofer forderte, den Reaktor vorläufig vom Netz zu nehmen. Das zuständige Ministerium warnte vor zu schnellen Schlussfolgerungen. In Bayern fordern die Grünen die Abschaltung von Isar 1.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin/München (ddp/sm) - Wie gestern berichtet, weist das Kernkraftwerk an der Elbe nach Ansicht der Deutschen Umwelthilfe (DUH) noch größere Mängel als das Kernkraftwerk im schwedischen Forsmark auf.

Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) betonte in einer Mitteilung, das Kernkraftwerk Brunsbüttel werde entsprechend dem Atomkonsens Anfang 2009 vom Netz gehen. Es sei selbstverständlich, dass die Reaktorsicherheit allen Hinweisen nach Sicherheitsdefiziten konsequent und sorgfältig nachgehe. Dies gelte insbesondere für die Notstromversorgung und das Reaktorschutzkonzept. Diese entspreche zwar nicht dem neuesten Stand von Wissenschaft und Technik. Mängel, die ein Abschalten der Anlage erforderlich machten, seien bislang jedoch nicht festgestellt worden, sagte Trauernicht. Dennoch habe ihr Ministerium als Aufsichtsbehörde vom Betreiber ein Konzept zur Optimierung des Reaktorschutzes einschließlich der Notstromversorgung gefordert, um diesen an den Stand moderner Anlagen heranzuführen. Dies werde zurzeit von Sachverständigen geprüft.

Bütikofer verlangte die vorläufige Abschaltung des Werkes, bis alle relevanten Sicherheitsfragen genau überprüft seien. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) habe Brunsbüttel anscheinend vorschnell einen "Persilschein" ausgestellt, als er Abschaltungen zur Sicherheitsüberprüfung generell ausschloss.

Der Kraftwerks-Betreiber Vattenfall Europe Nuclear Energy GmbH (VENE) hat die Vorwürfe der DUH zurückgewiesen. "Das Kernkraftwerk Brunsbüttel weist keine sicherheitstechnischen Mängel auf", sagte VENE-Geschäftsführer Dr. Bruno Thomauske. Thomauske wies auf die Bewertung des schleswig-holsteinischen Sozialministeriums als zuständiger Aufsichtsbehörde hin. Das Ministerium hatte nach Prüfung durch Sachverständige und Bewertung durch die Reaktorsicherheitsbehörde festgestellt, dass in den schleswig-holsteinischen Kernkraftwerken ein anders gestaffeltes Schutzkonzept für die Stromversorgung der Notstromdieselaggregate und der Warteninstrumentierung bestehe als in Forsmark. Dieser Befund betrifft ausdrücklich alle drei Kernkraftwerke in Schleswig-Holstein, also Brokdorf, Krümmel und Brunsbüttel, und liege in schriftlicher Form dem Bundesumweltministerium vor. Zitate, mit denen die Umwelthilfe angebliche Mängel in Brunsbüttel belegen will, seien überholt und aus dem Zusammenhang gerissen. "Selbstverständlich hat unser Unternehmen zu keinem Zeitpunkt notwendige Modernisierungen der Anlage verweigert", sagte Thomauske.

Bei dem Reaktor in Forsmark war es am 25. Juli durch einen Kurzschluss zu Komplikationen bei der elektrischen Versorgung gekommen. Zwei von vier Notstromaggregaten waren ausgefallen.

Die bayerischen Grünen fordern inzwischen die schnellstmögliche Abschaltung des AKW Isar 1 bei Landshut. Eine im Atomgesetz festgelegte Abschaltung im Jahr 2011 würde fünf weitere Jahre unkalkulierbare Risiken bringen, warnte die umwelt- und energiepolitische Sprecherin der Grünen, Ruth Paulig, heute in München. Die Energieexpertin verwies dabei auf die hohe Störanfälligkeit des ältesten bayerischen Atomkraftwerks.

So sei der Reaktor in seinen ersten sechs Betriebsjahren von 1977 bis 1982 auf Grund der hohen Störanfälligkeit durchschnittlich nur 56 Prozent der Zeit verfügbar gewesen, betonte Paulig. Zugleich wies sie auf einen Zwischenfall im März dieses Jahres hin, bei dem es zu einer ungeplanten Reaktorschnellabschaltung und zum Ausfall der Hauptkühlung über 3,5 Stunden kam. Außerdem werden der Grünen-Politikerin zufolge im Reaktor Isar 1 seit über zehn Jahren immer wieder Risse an Schweißnähten entdeckt.

Die Einschätzung des TÜV Süddeutschlands aus der vergangenen Woche, ein Reaktorstörfall wie in Forsmark sei in Bayern nicht möglich, da sich die Notstromsysteme der bayerischen Kernkraftwerke von denen der Forsmarker Anlage unterschieden, hält Paulig für falsch. Dies sei eine "vorschnelle Entwarnung", kritisierte sie. Schließlich hätten im vergangenen Jahr deutschlandweit 17 Prozent der meldepflichtigen Ereignisse im Zusammenhang mit der Notstromversorgung gestanden. Allein beim AKW Isar 1 habe es drei meldepflichtige Ereignisse gegeben, weil die externe Stromversorgung ausgefallen sei.

Paulig forderte zudem, auch die beiden Blöcke B und C im AKW Gundremmingen einer besonderen Sicherheitsprüfung zu unterziehen. Ihren Angaben zufolge beträgt der Anteil des Atomstroms an der bayerischen Stromversorgung 60 Prozent, bundesweit 30 Prozent.

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