Aufschub

Kieler Stadtwerke wollen vorerst doch kein Kohlekraftwerk bauen

Die Kieler Stadtwerke wollen das geplante Steinkohlekraftwerk auf dem Kieler Ostufer vorerst nun doch nicht bauen. Wie das Unternehmen am Montagabend mitteilte, soll die Investitionsentscheidung um drei Jahre verschoben werden.

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Kiel (ddp/sm) - Damit folgen die Stadtwerke eigenen Angaben zufolge einem unabhängigen Gutachten zum Kraftwerksneubau. Dieses Gutachten weise unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen den Bau eines Kohlekraftwerks als ökonomisch günstigste Variante aus. Um in den Neubau jedoch die bestmögliche Technologie zur CO2-Abscheidung einbauen zu können, wolle man die technische Entwicklung abwarten.

Der energiepolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Kieler Landtag, Detlef Matthiessen, sprach nach dem Bekanntwerden der Entscheidung von einem "guten Tag für Kiel". Diese Entscheidung der Stadtwerke sei jedoch "nicht ganz freiwillig" zustande gekommen. Erst auf Druck der Bevölkerung und einer Bürgerinitiative seien in der Untersuchung offene Fragen geklärt worden. "Das Aufwerfen der Wirtschaftlichkeitsfrage hat die Stadtwerke zu neuen und ökologischen Überlegungen gezwungen", sagte Matthiessen.

Am Samstag hatten in Kiel mehrere Hundert Menschen gegen das geplante Kraftwerk demonstriert. Nach Angaben der Veranstalter kamen rund 500 Demonstranten zu der Kundgebung, die Polizei sprach von 350 Teilnehmern. Im geplanten 800-Megawatt-Kohlekraftwerk sollten dem Grünen-Landesverband zufolge 1,8 Millionen Tonnen Steinkohle pro Jahr verbrannt werden. Das neue Kraftwerk soll ein altes ersetzen, das voraussichtlich 2015 vom Netz geht.