Asse und kein Ende

Kernforschungszentrum soll Asse-Prüfung verhindert haben (Upd.)

Die Schlagzeilen reißen nicht ab: Das Atommülllager Asse in Niedersachsen ist in den 60er Jahren offenbar unter fragwürdigen Bedingungen in Betrieb genommen worden. Das sollen Dokumente aus den 1960er Jahren belegen.

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Wolfenbüttel/Karlsruhe (ddp/sm) - So soll das Kernforschungszentrum Karlsruhe damals eine ergebnisoffene Eignungsprüfung des Bergwerks für die Einlagerung von Atommüll verhindert haben. Karlsruhe habe 1965 mit Verweis auf beengte eigene Lagerkapazitäten "Druck gemacht", sagte am Montag der Sprecher des Jugendumweltnetzwerks Niedersachsen, Tobias Darge. Vom Kernforschungszentrum Karlsruhe stammt der größte Teil des in das Lager Asse transportierten schwach- und mittelradioaktiven Mülls.

In einem Brief an den damaligen Asse-Betreiber, die Gesellschaft für Strahlenforschung (GSF), schrieb das Kernforschungszentrum am 4. August 1965: "Wir bitten Sie, alle Vorkehrungen zu treffen, so dass noch in diesem Jahr mit der Versuchseinlagerung von radioaktiven Abfällen begonnen werden kann." Andernfalls müsse das Kernforschungszentrum "umgehend Maßnahmen zum Bau einer neuen Lagerhalle ergreifen, was wir angesichts der Finanzlage dringend vermeiden wollen".

In einem zwei Wochen später verfassten Schreiben an das Bundesforschungsministerium warnte die GSF zwar zunächst davor, dem Anliegen aus Karlsruhe stattzugeben: "Nach dem Schreiben handelt es sich nicht um eine Versuchseinlagerung einer begrenzten Anzahl von Fässern, sondern um die Aufnahme eines erheblichen Teiles der radioaktiven Rückstände." Nach Angaben des Jugendumweltnetzwerkes hat die GSF trotz ihrer Bedenken am 18. November 1966 jedoch die Einlagerung radioaktiver Stoffe ins Bergwerk Asse beantragt. Dieser Antrag sei nach nur vier Monaten von den Bergbehörden in Niedersachsen genehmigt worden. Die Einlagerung von nuklearen Abfällen begann im April 1967.

Angesichts der "katastrophalen Zustände" im Atommülllager Asse sei eine weitere Atommüllproduktion nicht zu verantworten, erklärte unterdessen die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW. Offensichtlich seien weder die Energiekonzerne als Verursacher des Atommülls noch die Politik oder die zuständigen Kontrollbehörden in der Lage, für eine sichere Abschirmung der bisher angefallenen Abfälle zu sorgen.

Die Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg forderte die Grünen auf, einem Endlager in Gorleben und der weiteren Nutzung der Kernkraft eine Absage zu erteilen. Die Pannen im Atomlager Asse II seien "ein Menetekel für Gorleben", sagte BI-Sprecher Wolfgang Ehmke. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe "mit ihren kopflosen Erklärungen pro Atom in den vergangenen Tagen den Rückwärtsgang in der Energiepolitik eingelegt".

Das Bundesumweltministerium wies derweil Vorwürfe der Union zurück, es gebe bislang kein Endlagerkonzept. Tatsächlich habe Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) ein solches Konzept "vor ziemlich genau zwei Jahren" den Spitzen der Koalitionsfraktionen vorgelegt. Allerdings weigere sich die Unions-Fraktion seither "beharrlich, es zur Kenntnis zu nehmen", sagte Ministeriumssprecher Michael Schroeren. Gabriels Plan sieht im Kern vor, dass neben Gorleben noch ein bis zwei weitere Standorte erkundet werden sollen. Die Union lehnt das unter anderem mit Verweis auf zu hohe Kosten ab.