"Kennzeichen D": Liberalisierung des Strommarkts fördert umweltgefährdende Kraftwerke in Osteuropa

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Infolge der Liberalisierung des Strommarktes in Deutschland werden nach Informationen des ZDF-Magazins "Kennzeichen D" (Sendezeit: Morgen 22.15 Uhr) eine Reihe umweltgefährdender Kraftwerke in Mittel- und Osteuropa in Betrieb bleiben. In einer unveröffentlichten Studie, die "Kennzeichen D" vorliegt, prognostiziert das Wuppertaler Institut für Klimaforschung einen starken Anstieg der Stromimporte aus dieser Region in den kommenden zehn Jahren. Das Institut sieht darin - gerade bei einem deutschen Ausstieg aus der Atomenergie - eine Verlagerung der mit der Kernenergienutzung verbundenen Risiken ins Ausland. Als besonders problematisch bewerten es die Wuppertaler Klimaforscher, dass die Betreiber von Kernkraftwerken in Ost- und Mitteleuropa einen Anreiz erhalten, "größtenteils veraltete und unsichere Anlagen (zum Beispiel Tschernobyl in der Ukraine) noch möglichst lange laufen zu lassen."


Nach Recherchen von "Kennzeichen D" liefert auch der als äußerst risikobehaftet geltende Reaktor Bohunice in der Slowakei Strom in die Bundesrepublik. Trotz erheblicher Sicherheitsbedenken wird Bohunice nicht, wie ursprünglich mit der EU vereinbart, noch in diesem Jahr vom Netz gehen, sondern mindestens bis 2008 weiterlaufen. Die Bundesrepublik hatte die Erteilung von Hermesbürgschaften für den Bau des neuen Reaktors Mochovce seinerzeit von der Schließung des Reaktors Bohunice spätestens im Jahr 2000 abhängig gemacht.


Äußerst umstritten ist auch der Weiterbetrieb des Kernkraftwerks Dukovany in Tschechien, das selbst vom tschechischen Umweltministerium als den notwendigen Sicherheitsstandards nicht genügend eingestuft wird. Dennoch will das tschechische Energieunternehmen Ces das Kraftwerk in den nächsten Jahren nutzen, um billigen Atomstrom in die Bundesrepublik zu exportieren.


In der deutschen Strombranche spricht man bereits von Umweltdumping. Um im Preiskrieg auf dem Strommarkt mithalten zu können, greifen immer mehr Unternehmen auf Atomstrom aus sicherheitstechnisch mangelhaften Kraftwerken zurück. Brancheninsider verweisen in diesem Zusammenhang auch auf den Strom aus polnischen Kohlekraftwerken, die vielfach ohne die in der Bundesrepublik seit vielen Jahren gesetzlich vorgeschriebenen Umweltschutztechniken wie Entstickung, Entschwefelung und Rauchgasreinigung laufen. Dr. Peter Asmuth vom Hagener Stromversorger Elektromark erklärte gegenüber "Kennzeichen D", dass sein Unternehmen sich durch den harten Wettbewerb gezwungen sehe, die eigenen Anlagen zurückzufahren und statt dessen auf den billigen polnischen Strom zurückzugreifen.


(ots)