Prognose

Kemfert: Öl-Fördermaximum noch nicht erreicht

Nach Einschätzung der Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, Claudia Kemfert, ist das weltweite Öl-Fördermaximum noch nicht erreicht worden. Ihre Annahme entspreche auch der von Geologen.

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Berlin (ddp/sm) - Die Förderung von derzeit 87 Millionen Barrel (1 Barrel = 159 Liter) könne bei ausreichenden Investitionen auf rund 100 Millionen Barrel ausgeweitet werden, sagte Kemfert am Donnerstag der Nachrichtenagentur ddp. Erst am Mittwoch hatte die Gruppe Energy Watch Group prognostiziert, dass die weltweite Ölförderung bis 2030 auf die Hälfte zurückgeht und das Maximum bereits 2006 erreicht wurde.

Kemfert erklärte, dass ihre Annahme auch der von Geologen entspricht. Es gebe noch genügend Vorkommen in der Tiefsee, im Permafrost oder eben auch Ölsande. Sicher sei allerdings auch, dass zwischen 2020 und 2030 das Angebot zurückgeht.

Kemfert zufolge ist eine Ursache für den derzeit angespannt hohen Ölpreis, dass nahezu so viel produziert wie auch nachgefragt wird. Zudem gebe es hohe Risikoaufschläge und einen sehr schwachen Dollar.

In den vergangenen zwei Jahren hatte Kemfert wiederholt prophezeit, der Ölpreis steige auf 100 Dollar pro Barrel und der Spritpreis werde in absehbarer Zeit über 1,50 Euro steigen. Dies hatte ihr viel Kritik von anderen Ökonomen eingebracht. Anfang Mai wurde die Marke von 1,50 Euro allerdings geknackt und auch die 100 Dollar-Marke pro Barrel wurde überschritten.

Bei einem stabilen Dollarkurs würde laut Kemfert schon heute der Benzinpreis deutlich über 1,50 Euro pro Liter Superbenzin liegen. Bis zu 1,70 Euro könnten dann an der Zapfsäule Realität sein. Ihre Prognosen seien somit alle eingetreten, betonte die Volkswirtin. Derzeit sei es jedoch schwierig vorherzusagen, wohin der Benzinpreis kurzfristig klettert - langfristig müssten sich alle aber auf solche Preise dauerhaft einstellen, wenn nicht umgesteuert werde.

Den überproportionalen Anstieg der Preise für Diesel erklärte die Energiexpertin mit der deutlich angezogenen Nachfrage aufgrund der Steuererleichterungen für diesen Kraftstoff. Außerdem habe der Straßengüterverkehr deutlich zugenommen, und vor allem den USA machten Raffinerieengpässe zu schaffen.

Aufgrund der hohen Öl- wie auch Kraftstoffpreise appellierte Kemfert erneut an die Bundesregierung, mehr Geld in die Erforschung alternativer Kraftstoffe zu investieren. So schnell wie möglich würden kohlendioxidfreie und sichere Kraftstoffe benötigt.