Vorerst Entwarnung

Keine Hinweise auf "Schrottbeton" in AKW Neckarwestheim (Upd.)

Vorläufige Entwarnung im AKW Neckarwestheim: Entgegen ersten Befürchtungen ist beim Bau des Zwischenlagers für den Meiler wahrscheinlich kein Schrottbeton verwendet worden. Zuvor wurde ein Unternehmer verdächtigt, minderwertigen Beton geliefert zu haben. Grüne und SPD zeigten sich dennoch besorgt.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Neckwarwestheim (ddp/sm) - Wie das baden-württembergische Umweltministerium am Freitag in Stuttgart mitteilte, ergaben kurzfristig anberaumte Untersuchungen keinen Hinweis darauf. Die Grünen-Umweltexpertin im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl, forderte, auch andere Atomanlagen zu überprüfen.

Ein Stuttgarter Unternehmer wird verdächtigt, für mehrere Großbauten minderwertigen Beton geliefert zu haben. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt Medienberichten zufolge bereits seit Mitte 2007 gegen den 40-Jährigen wegen Betrugsverdachts. Der Vorwurf kam aber erst jetzt an die Öffentlichkeit. Weil die Firma auch für den Bau des Brennelemente-Zwischenlagers Beton geliefert haben soll, hatte das Umweltministerium am Donnerstag kurzfristig Experten beauftragt, dem Verdacht nachzugehen.

Nach derzeitiger Faktenlage sei davon auszugehen, dass kein minderwertiger Beton verbaut wurde, erklärte das Ministerium nach der Überprüfung. Der Beton für das Zwischenlager sei auf dem AKW-Gelände gemischt worden. Dabei habe es etwa doppelt so viele Probeentnahmen im Rahmen von Qualitätskontrollen wie vorgeschrieben gegeben. Diese hätten keine Hinweise auf minderwertige Qualität oder Abweichungen in der Zusammensetzung des Betons erbracht. Auch am Bauwerk selbst stellten die Experten keine Auffälligkeiten fest.

Der Energiekonzern EnBW, der das Atomkraftwerk betreibt, hatte bereits am Donnerstag mitgeteilt, dass es ein "sehr engmaschiges Kontrollnetz" gegeben habe und die Qualität des Betons nicht nur vom Lieferanten, sondern auch von einem Ingenieurbüro und einem unabhängigen Institut in Berlin überprüft worden sei. Außerdem sei der Bau des Zwischenlagers von einem Sachverständigen begleitet worden. Eine Manipulation des Betons sei "so gut wie ausgeschlossen".

Grüne fordert Überprüfung anderer Atomanlagen

Die Bundestagsabgeordnete Kotting-Uhl erinnerte derweil an die Bauarbeiten am finnischen Reaktor Olkiluoto, die im vergangenen Jahr wegen einer vorschriftswidrigen Betonmischung bei der Fundamenterstellung unterbrochen worden seien. Der Beton in einer atomaren Anlage müsse jahrzehntelangen enormen Belastungen und aggressiven Chemikalien standhalten. "Jeder Pfusch am Bau kann zu einem GAU führen", mahnte Kotting-Uhl.

Auch die baden-württembergische Grünen-Fraktion gab sich mit der vorläufigen Entwarnung nicht zufrieden. Sie forderte eine genaue Überprüfung und kündigte einen parlamentarischen Antrag hierzu an. Es handle sich schließlich "nicht um den Neubau einer Pommesbude". Die SPD-Fraktion verlangte, bis zur abschließenden Klärung der Gebäudefestigkeit alle Einlagerungen in dem Zwischenlager zu stoppen. Zuvor hatte bereits ein Bündnis aus Kernkraftgegnern einen Stopp der Castorlagerung gefordert.