Stromnetz

Keine Blackouts während der Sonnenfinsternis

Wegen der Sonnenfinsternis bestand eine große Anspannung hinsichtlich der Stabilität der Stromnetze in Deutschland. Denn für kurze Zeit nahm der Anteil an Sonnenstrom drastisch ab und nahm im Anschluss wieder stark zu. Das Ergebnis kann als positives Signal für die Energiewende gesehen werden.

Sonnenenergie© view7 / Fotolia.com

Berlin (dpa/red) - Keine Blackouts, erleichterte Ingenieure: Das deutsche Stromnetz hat den Stresstest Sonnenfinsternis nach Angaben der Betreiber mit Bravour bestanden. Bundesweit habe es keine Engpässe oder Stromausfälle gegeben, berichteten am Freitag übereinstimmend die vier Betreiber der Stromautobahnen. "Uns fällt ein großer Stein vom Herzen. Alles lief wunderbar", sagte der Geschäftsführer Systembetrieb bei 50Hertz, Dirk Biermann, am Freitag in Neuenhagen bei Berlin der Deutschen Presse-Agentur.

Positives Signal für die Energiewende

Nach der maximalen Abdeckung der Sonne durch den Mond - je nach Ort bis zu 83 Prozent – hätten die Netze innerhalb kurzer Zeit einen gewaltigen Solarstrom-Anstieg verkraften müssen: vom Tiefpunkt unter 7.000 Megawatt auf knapp über 20.000 Megawatt in der Spitze. Die Leitungen hielten: "Das ist ein gutes Signal für die Energiewende", meinte Biermann.

Probe für das Stromnetz

Die Sonnenfinsternis galt als ernste Bewährungsprobe für Europas Energiewende-Vorreiter Deutschland, wo schon rund 39.000 Megawatt Solarleistung installiert sind. Es gibt über eine Million Photovoltaikanlagen, die meisten davon in Bayern. Bei der letzten vergleichbaren Sonnenfinsternis 1999 gab es kaum Solaranlagen in Deutschland, daher war die "Sofi" Neuland.

Anteil von Sonnenstrom nimmt zu

Bei der nächsten partiellen Sonnenfinsternis im Jahr 2022 wird der Stresstest noch größer sein, weil der Ausbau der erneuerbaren Energie rasch vorangeht. Der Anteil von Ökostrom aus Wind, Sonne, Wasser und Biomasse an der Stromerzeugung soll von heute rund 26 Prozent bis 2035 auf 55 bis 60 Prozent steigen. Deutschland hatte sich 2011 nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima für einen völligen Umbau der Energieversorgung entschieden. Das letzte Kernkraftwerk wird bis 2022 abgeschaltet.

Pumpspeicherkraftwerke hielten Netz stabil

Um die Netze während des Himmelsspektakels stabil zu halten, mussten die Experten am Freitag nur minimal eingreifen. Vor allem Pumpspeicherkraftwerke sprangen ein, vorsichtshalber fuhren auch einige Aluminiumwerke, die viel Strom verbrauchen, ihre Produktion herunter. Zur Sicherheit hatten die Herren der Stromnetze bundesweit Reservestrom eingekauft. Davon machten sie aber nur "moderat" Gebrauch. Das kostete etwa 3,5 Millionen Euro extra - für die Stromkunden eine überschaubare Hausnummer, da jährlich weit über 20 Milliarden Euro an Förderung für die erneuerbaren Energien verteilt werden.

Stromeinspeisung sank um die Hälfte

Die vier großen Übertragungsnetzbetreiber Amprion, Tennet, 50Hertz und TransnetBW hatten sich monatelang vorbereitet. Während der Sonnenfinsternis gab es Telefonkonferenzen mit ausländischen Kollegen. Die Herausforderung war enorm: Am Freitagmorgen speisten Solaranlagen bei meist wolkenlosem Himmel noch 14.000 Megawatt Strom ein - mit Beginn der "Sofi", als der Mond sich vor die Sonne schob, schrumpfte das auf unter 7.000 Megawatt. Nach der Finsternis schoss die Solarproduktion dann auf knapp über 20.000 Megawatt hoch - das entspricht der Leistung von etwa 15 Kernkraftwerken.

Quelle: DPA