Ingelheimer Aue

Kein Gaslieferant in Sicht: KMW hält an Kohle-Plänen fest (Upd.)

Ungeachtet des Beschlusses des Mainzer Stadtrats gegen das geplante Kohlekraftwerk auf der Ingelheimer Aue halten die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW) an ihrem Vorhaben fest. Da es keinen möglichen Gaslieferanten gebe, sei der Bau eines Gaskraftwerkes nicht möglich.

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Mainz (ddp-rps/sm) - Das Genehmigungsverfahren werde wie geplant weiter laufen, sagte der KMW-Aufsichtsratsvorsitzende, der Wiesbadener Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU), am Dienstag nach einer Aufsichtsratssitzung in Mainz. Müller begründete das Festhalten an den Kraftwerksplänen erneut damit, dass es derzeit keinen Gaslieferanten gebe, der Kraftwerksgas zu den Bedingungen der KMW liefern könne.

Die Bedingungen bei der Abfrage seien gewesen, dass eine geeignete Menge geliefert werden könne, um ein Grundlastkraftwerk betreiben zu können sowie Fernwärme auszukoppeln, erläuterte Peter Preusser, der als Energieberater den Aufsichtsrat informiert hatte. 21 Unternehmen habe man befragt, 9 hätten geantwortet, berichtete Preusser. Keines der Unternehmen sei wegen der steigenden Gaspreise bereit gewesen, langfristige Gasverträge abzuschließen.

"Wir haben immer nach Alternativen gesucht, aber es gibt auch heute keine Alternativen - das ist die Botschaft des Tages", sagte der Mainzer Oberbürgermeister Jens Beutel (SPD). Müller sagte, das Genehmigungsverfahren werde nun wie geplant weiterlaufen, "außer es kommt doch noch jemand, der zu den Bedingungen Gas liefern kann".

Letztlich sei es "die Aufgabe der Kommune, dass Strom aus der Steckdose kommt", sagte Müller weiter. "Uns ist vollkommen wurscht, wie das geschieht", fügte der KMW-Aufsichtsratschef hinzu.

Gegner vermissen Willen zur Suche nach Alternativen

Die Mainzer CDU-Chefin Andrea Litzenburger sprach dagegen von einer "unverantwortlichen" Entscheidung. Die KMW verweigere sich der Prüfung von Alternativen und setze sich einfach über den Stadtratsbeschluss sowie die fundierten Bedenken von Ärzten, Wirtschaftswissenschaftlern und Umweltexperten hinweg. Litzenburger kritisierte insbesondere, dass ein Angebot der Firma Südweststrom, den KMW die bereits bestellte Kraftwerksturbine abzukaufen oder aber sich an einem Gaskraftwerk zu beteiligen, ignoriert werde. "Es ist unbegreiflich, warum der Aufsichtsrat nicht wenigstens die Prüfung des Angebots eingeleitet hat", sagte Litzenburger.

Die Bürgerinitiative Kohlefreies Mainz (KoMa) kommentierte die Entscheidung mit den Worten "Wo kein Wille, da kein Weg". Behauptungen, ein Gasheizkraftwerk sei nicht wirtschaftliche zu betreiben, würden angesichts neuer Gaskraftwerksprojekte in Frankfurt und Worms "von Tag zu Tag unglaubwürdiger", sagte KoMa-Sprecher Patrick Hassenpflug. Dazu zeige das Erörterungsverfahren deutlich, wie schlampig KMW gearbeitet habe. Die notwendigen Untersuchungen zu den Auswirkungen des Projektes auf die Wasserwelt seien entweder schlampig oder gar nicht durchgeführt worden.

Auch die Grünen sprachen von unzureichenden Unterlagen der KMW und fehlenden Berechnungen und forderten, den Genehmigungsbescheid zu versagen. Die KMW versuche erst gar nicht, die "Sorgen und Ängste" der Bevölkerung zu zerstreuen, "weil sie es nicht können", sagte Grünen-Stadträtin Tabea Rössner.