Klima-Debatte

Kearney-Studie: CO2-Ziele ohne Kernenergie nicht zu erreichen

Eine aktuelle Studie kommt zu dem Schluss, dass die derzeit proklamierte Reduktion der CO2-Emissionen bei einem Verzicht auf Kernkraft nicht zu erreichen sei. Das Hauptproblem: Der steigende Stromverbrauch in den Privathaushalten sei anders nicht zu kompensieren.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (red) - Die auf Basis der Klimaziele der Europäischen Union in Deutschland angestrebte Emissionsreduktion ist ohne die weitere Nutzung der Kernenergie kaum oder gar nicht zu erreichen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Managementberatung A.T. Kearney, in der die Auswirkungen des Kernkraftausstiegs im Hinblick auf die von der EU geforderte Reduktion der Kohlendioxid-Emissionen (CO2) untersucht wurden.

Auf EU-Ebene könne das gesteckte Minimalziel einer CO2-Reduktion um 20 Prozent bis zum Jahr 2020 gegenüber dem Ausstoß von 1990 nicht allein durch Maßnahmen der Energiewirtschaft erreicht werden. Zudem werde sich in Deutschland das ausgegebene Ziel einer 30- beziehungsweise 40-prozentigen CO2-Senkung bei einem Ausstieg aus Kernenergie kaum beziehungsweise gar nicht realisieren lassen. Vielmehr würde der in Deutschland geplante Kernkraftausstieg sogar zu einer relativen Erhöhung des CO2-Ausstoßes führen - bezogen auf das Niveau von 1990 um 12 Prozent.

Der Stromverbrauch werde sowohl in Deutschland als auch in den übrigen Ländern der EU-27 bis 2020 stark ansteigen, so die Kearney-Berechnungen. Getrieben werde diese Entwicklung vor allem durch das zu erwartende starke Ansteigen des Stromverbrauchs der Privathaushalte. Um die entstehende Versorgungslücke zu schließen, die durch den steigenden Stromverbrauch auf der einen sowie den bis 2020 geplanten Kernkraftausstieg in Deutschland auf der anderen Seite entsteht, rechnet A.T. Kearney mit einer Verdoppelung der Stromerzeugung aus Gas und einer Steigerung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen um den Faktor 3,6.

Betrachte man alle CO2-emittierenden Bereiche wie Energiewirtschaft, Industrie, Gewerbe, Haushalte und Verkehr führe diese Entwicklung innerhalb Europas zu einem Anstieg der CO2-Emissionen von 7 Prozent bis 2020, während in Deutschland eine Reduzierung von 9 Prozent im Vergleich zu 1990 zu beobachten sei - gegenüber 2005 bedeute das aber eine Zunahme um 7 Prozent. Der wesentliche Treiber dafür sei die Schließung der Kapazitätslücke, die durch die weitere Stilllegung der Kernkraftwerke entstünde.