Panikkäufe

"Katrina" bläst Ölpreis auf Rekordniveau

Der Hurrikan "Katrina" hat bei seinem Weg durch den Südosten der USA nicht nur zahlreiche Existenzen vernichtet, sondern auch tausende Industrieanlagen beschädigt. Zudem mussten 700 Ölförderstätten im Golf von Mexiko geschlossen werden, was zu Panikkäufen auf dem Ölmarkt und einem Preisauftrieb führte.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

New York (ddp/sm) - Die wirtschaftlichen Folgen durch den Hurrikan "Katrina" sind auch zwei Tage nach seinem zerstörerischen Weg durch den Südosten der USA noch nicht abschätzbar. Vor allem der nach fieberhaften Käufen auf ein neues Allzeithoch gestiegene Ölpreis dürfte die Konjunktur weltweit nachhaltig belasten.

Am Dienstag hatte der Ölpreis ein neues Allzeithoch bei 70,90 Dollar erreicht. Die direkten Schäden des Wirbelsturms, der die Stadt New Orleans und weite Landstriche in den US-Bundesstaaten Louisiana und Mississippi verwüstete, waren auch am Mittwoch noch nicht absehbar.

Der geschäftsführende Generalsekretär der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC), Adnan Schihab-Eldin, sieht den anhaltenden Anstieg der Ölpreise mit zunehmender Besorgnis. Die Ölpreise näherten sich einem Niveau, das die Weltwirtschaft womöglich nicht mehr verkraften könne, sagte er. Schihab-Eldin betonte, dass die OPEC keinen weiteren deutlichen Anstieg der Ölpreise wolle. Vor allem die möglichen Schäden an Ölförderstätten im Golf von Mexiko führten zu Panikkäufen. Nach Angaben der US-Behörden wurden dort mehr als 700 Ölförderstätten geschlossen. Zunächst war nur von 22 Plattformen und Bohrtürmen die Rede gewesen. Aus der Region stammt normalerweise ein Viertel der gesamten Benzin- und Heizölproduktion der USA. Die Ölkonzerne Exxon Mobil und Royal Dutch Shell beklagen derzeit allerdings vor allem die Versorgungsprobleme in Folge der Stromausfälle auf dem Festland. Die Schäden konnten sie nicht beziffern.

Nach Einschätzung der Ratingagentur Standard & Poor's wird "Katrina" das US-Wirtschaftswachstum im dritten Quartal um einige Punkte niedriger ausfallen lassen. Bislang prognostiziert die Agentur ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 3,7 Prozent. Besonders die Entwicklung des Tourismus sowie der Land- und der Bauwirtschaft werde von Juli bis September von dem Sturm gebremst werden. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) zeigte sich im Deutschlandfunk zuversichtlich, die Auswirkungen des steigenden Ölpreises auf die deutsche Wirtschaft und die Arbeitsmarktsituation abfangen zu können.

Insgesamt sind die verursachten Schäden nach wie vor nur schwer abschätzbar. Das Bankhaus Helaba Trust spricht von Schäden in Höhe von neun bis 25 Milliarden Dollar. Da insbesondere die Belastungen durch Überflutungen und die Schäden an Industrieanlagen bislang kaum absehbar seien, sei der Mittelwert von 16 Milliarden Dollar allerdings sehr unsicher.

Von Ralf Beunink