Kritik von Umweltschützern

Kassels Umstieg auf Ökostrom ändert erstmal nichts auf dem Strommarkt

Umwelt- und Verbraucherschützern begrüßen die Entscheidung der Stadtwerke Kassel komplett auf Ökostrom umzusteigen als ein wichtiges Signal für den Klimaschutz. Kritiker verweisen jedoch darauf, dass sich durch den bloßen Einkauf von Ökostrom der Markt noch nicht verändere, weil Energiemengen nur umverteilt würden.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Kassel (ddp) - Es gebe einen Trend zum "sauberen Strom", sagt die Sprecherin des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), Rosemarie Folle. "Die Stadtwerke müssen diesem Trend gerecht werden." Freilich werde nach dem Lieferantenwechsel in Kassel nicht nur Ökostrom durch die Leitung fließen. "Eine große Badewanne" nennt VKU-Sprecherin Folle das Stromnetz. Demzufolge werden auch die Kasseler künftig weiter einen Mix verbrauchen.

Christof Timpe vom Freiburger Ökoinstitut nennt den Wechsel hin zu Ökostrom "ein wichtiges Signal" für die Schadstoffreduzierung, aber allein durch den neuen Lieferanten "passiert auf dem Strommarkt zunächst mal gar nichts", gibt er zu bedenken.

"Die Kasseler Stadtwerke kaufen Energie, die anderen dann nicht mehr zur Verfügung steht, deshalb wird der Markt nur umverteilt", erklärt Holger Krawinkel von der Bundesverbraucherzentrale. Das Angebot an regenerativer Energie wird aus seiner Sicht nur dann erhöht, wenn der Kunde - wie bei vielen Ökostromtarifen - einen Aufschlag zahlt, der in Wasser- und Windkraft oder andere Anlagen investiert wird. Höher als den ökologischen Wert des Kasseler Projekts bewertet Krawinkel deshalb den Effekt für den Wettbewerb, da die Zahl der Anbieter auf dem Markt steige.

"Wasserkraft aus Skandinavien verändert noch nicht den deutschen Strommarkt", sagt auch der für Energiefragen zuständige Experte beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Torben Becker. Doch wenn sich weitere Stadtwerke dafür entscheiden, werde dies dazu führen, dass sich das Angebot für Ökostrom verbessere. Deshalb findet er die Entscheidung grundsätzlich gut. Sie sei "ein wichtiges politisches Zeichen, dass Geld nicht für Strom aus Kohle oder Atomkraft ausgegeben wird."