Nachfrage nach Ökostrom steigt

Kassel setzt als erste deutsche Großstadt nur noch auf Wasserkraft

Die Kasseler Städtischen Werke wollen ihre Energie künftig komplett aus Wasserkraft beziehen. Nachdem bereits kleinere Kommunen, wie vor kurzem das nordhessische Wolfhagen, diesen Schritt gegangen waren, ist Kassel bundesweit die erste Großstadt, die ausschließlich auf "grüne Energie" setzt.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Kassel (ddp-hes/sm) - Für die 97.000 Privatkunden soll die Umstellung "automatisch" und "ohne Aufpreis" erfolgen, sagte der Vorstandsvorsitzende der Städtischen Werke, Andreas Helbig. Er räumte allerdings ein, dass der Strom, der künftig durch das Kasseler Netz fließt, "ganz normaler Mischstrom" sei. Denn technisch sei es nicht möglich, den von einem Wasserkraftwerk erzeugten Strom direkt nach Kassel zu leiten.

Als einen Grund für die Entscheidung der Stadtwerke nannte der Vorstandsvorsitzende die bundesweit zunehmende Nachfrage. "Vielen Kunden ist es nicht egal, ob die Stromerzeugung die Umwelt verschmutzt, sie wollen allerdings nicht mehr dafür ausgeben", sagte Helbig. Bisher hatten die Stadtwerke einen Öko-Stromtarif, der vier Cent pro Kilowattstunde teurer als der Normaltarif war. Die 900 Nutzer dieses Tarifs finanzieren durch den Aufpreis nach Angaben der Stadtwerke die vom Unternehmen bereits betriebenen oder geplanten regenerativen Anlagen, die mit Wasser, Sonne oder Biogas arbeiten. Den Öko-Tarif soll es weiter geben.

Ein Zertifikat des Freiburger Ökoinstituts soll garantieren, dass dieselbe Menge an Strom, die die Stadtwerke benötigen, aus Wasserkraft wieder eingespeist wird. Man könne das durch ein "Herkunftsnachweisverfahren" sicherstellen, sagte Christof Timpe vom Öko-Institut. Mit diesem Verfahren könne europaweit festgestellt werden, wo welche Menge Energie erzeugt werde und aus welchen Quellen sie stamme.

Von Umwelt- und Verbraucherschützern loben die Entscheidung der Stadtwerke als wichtiges Signal, Kritiker sprechen jedoch lediglich von einer Umverteilung der Energiemengen. Die Kasseler Stadtwerke lassen sich durch ein Zertifikat zwar bescheinigen, dass sie ausschließlich umweltfreundlich erzeugte Energie beziehen, doch faktisch fließt durch das Netz weiter Strom, der auch aus konventionellen Kraftwerken kommt.