EU-Kommission

Kartellrechtsverstoß: E.ON muss Millionen-Bußgeld zahlen

Die EU-Kommission hat erstmals Bußgelder aufgrund eines Kartellrechtsverstoßes im Energiesektor verhängt. Mit je 553 Millionen Euro wird das wettbewerbswidrige Verhalten der Versorger E.ON und ihrer Tochter E.ON Ruhrgas sowie der GDF Suez geahndet, hieß es. E.ON will gegen die Entscheidung klagen.

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Brüssel (ddp/red) - Die Kommission ahndet nach eigenen Angaben die Aufteilung von Märkten. Die Ruhrgas AG (jetzt E.ON Ruhrgas) und Gaz de France (jetzt Teil von GDF Suez) hätten sich 1975 anlässlich des gemeinsamen Baus der MEGAL-Pipeline darauf geeinigt, kein über diese Rohrleitung transportiertes Gas im Inlandsmarkt des jeweiligen anderen Unternehmens zu verkaufen. Über die Pipeline wird russisches Gas nach Deutschland und Frankreich importiert.

Weniger Anbieter, weniger Wettbewerb

Auch nach der Liberalisierung der europäischen Gasmärkte hielten die beiden Unternehmen an dieser Vereinbarung fest. Erst 2005 rückten sie endgültig davon ab. Laut EU gehöre die Aufteilung von Märkten zu den schwerwiegendsten Kartellverstößen. Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes sagte: "Durch diese Vereinbarung wurden die Verbraucher in zwei der größten Gasmärkte in der EU um einen stärkeren Preiswettbewerb und eine größere Anbieterauswahl gebracht. Die Kommission hat keine andere Wahl, als hohe Geldbußen zu verhängen."

E.ON will gegen Bußgeldbescheid klagen

E.ON Ruhrgas wies die Anschuldigungen zurück. Die Kommission konstruiere Absprachen, "die zwischen den Unternehmen nie stattgefunden haben", hieß es. Die Entscheidung sowie das hohe Bußgeld seien "nicht nachvollziehbar", sagte E.ON-Ruhrgas-Chef Bernhard Reutersberg. Die 1975 getroffenen Absprachen seien zur Sicherung der Investition notwendig gewesen und hätten keine Relevanz für die Marktentwicklung gehabt. In diesem Zusammenhang verwies der Konzern darauf, dass kein anderer großer europäischer Versorger einen derart hohen Anteil am französischen Gasmarkt habe.

E.ON Ruhrgas und die Pariser GDF Suez sind die führenden Erdgasanbieter in Deutschland und Frankreich sowie zugleich zwei der größten Akteure im europäischen Gasmarkt. Die im DAX notierte E.ON erwarb 2003 die Kontrolle über die inzwischen als E.ON Ruhrgas AG firmierende Ruhrgas. Die Fusion von Gaz de France mit Suez zu GDF Suez wurde 2008 nach Auslaufen der Marktaufteilungsvereinbarung mit E.ON vollzogen. Die Kommission hatte das Vorhaben bereits 2006 genehmigt.