Große Unterschiede

Kartellamt und Verbraucherschützer bemängeln Ungereimtheiten bei Gaspreisen

Verschiedene Energieversorger wollen in den nächsten Monaten ihre Gaspreise erhöhen und begründen dies vorallem mit den gestiegenen Ölpreisen. Während das Kartellamt jetzt untersuchen will, ob die Gasversorger ihre marktbeherrschende Stellung ausnutzen, weist der BdE auf regionale Preisunterschiede hin.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf/Berlin (ddp/sm) - Die bevorstehende Preisrunde beim Erdgas ruft das Bundeskartellamt und den Bund der Energieverbraucher (BdE) auf den Plan. Die Wettbewerbshüter gehen Vorwürfen nach, dass die deutschen Gasversorger bei der geplanten Preiserhöhung eine marktbeherrschende Stellung ausnutzen. Die Behörde hat Medienberichten zufolge bereits mehrere Unternehmen angeschrieben. Der Bund der Energieverbraucher stellte einen Vergleich der Gaspreise in 30 Städten an und stieß auf drastische Preisunterschiede.

Böge geht Ungereimtheiten nach

"Es gibt da erhebliche Ungereimtheiten, die geklärt werden müssen", sagte Kartellamtspräsident Ulf Böge dem "Handelsblatt" (Montagausgabe). Im Mittelpunkt stehe dabei, dass die angekündigten Preiserhöhungen der Versorger den Anstieg ihrer Bezugspreise bei den Ferngasgesellschaften sogar übertreffen. Da die Endkundenpreise in großem Umfang auch durch andere Kosten wie Entgelte für die Netzdurchleitung bestimmt seien, dürfte die Verteuerung des Energieträgers auf der Versorgungsebene eigentlich nur zu einem Bruchteil ankommen. "Hier fehlt es in jedem Fall an Transparenz", kritisierte der Kartellamtspräsident.

EWE plant Erhöhung um 13 Prozent

Anlass für Böges Aktivitäten ist die Ankündigung des Oldenburger Gasversorgers EWE AG, die Preise für private Haushalte zum 1. September um 13 Prozent anzuheben. EWE begründete dies mit dem gestiegenen Ölpreis, an den der Gaspreis gekoppelt ist. Auch andere Versorger wie die Kölner Rhein-Energie und die Berliner Gasag hatten zuvor ihre Absicht bekannt gegeben, ihre Tarife anzuheben.

300 Euro Differenz zwischen Oldenburg und Saarbrücken

Der Bund der Energieverbraucher hat bei seinem am Montag veröffentlichten Preisvergleich für Haushalte regionale Unterschiede um bis zu 30 Prozent festgestellt. Die Differenz zwischen Oldenburg und Saarbrücken betrage fast 300 Euro im Jahr. In Oldenburg koste die Kilowattstunde Gas bisher 3,9 Cent und in Saarbrücken 5,04 Cent. Die extremen Preisunterschiede für die gleiche Energiemenge belegten, "dass mit den Gaspreisen etwas nicht stimmt".

Auch die Entwicklung der Gaspreise verläuft nach Angaben des Bundes regional sehr verschieden. Die Versorger in einigen Städten zögen im Vergleich zum Bundesdurchschnitt mit den Gaspreisen nach oben, wie etwa in Schwerin, Bremen und Augsburg. Andere Versorger machten das Gas günstiger im Vergleich zum Bundesmittel. Dazu gehörten Lübeck, Bonn, Eisenach, Koblenz und Nürnberg.

Bei einer Bewertung der Gaspreissteigerungen sollte sowohl das Niveau als auch die Preistendenz der Vergangenheit betrachtet werden, rät der Bund. Die EWE habe mit ihren Preisen vor der Erhöhung um 13,5 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt gelegen. In dieser Situation wäre eine Weitergabe der Preissteigerungen des Vorlieferanten um allenfalls zwei Prozent noch plausibel. In Saarbrücken mit einem derzeit um zwölf Prozent über dem Bundesschnitt liegenden Gaspreis wären dagegen höhere Bezugskosten fairerweise vom Gasversorger zu tragen.