Emissionszertifikate

Kartellamt prüft Strompreis-Beschwerden gegen E.ON und RWE

Das Bundeskartellamt prüft den Vorwurf, dass große deutsche Energiekonzerne ihre beherrschende Stellung beim Emissionshandel missbrauchen. Unter anderem wird den Stromversorgern vorgeworfen, unentgeltlich zugeteilte Emissionszertifikate zu einem höheren Börsenpreis als Kosten in den Strompreis einzurechen.

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Bonn (ddp/sm) - Das Bundeskartellamt prüft, ob die großen deutschen Energiekonzerne den Handel mit Emissionszertifikaten zu Preistreiberei bei Strom nutzen. Die Behörde habe die beiden Branchenführer E.ON und RWE zu Stellungnahmen bis Mitte September aufgefordert, teilten die Wettbewerbshüter am Freitag in Bonn mit. Anschließend werde über weitere Verfahrensschritte entschieden.

Es gehe um den Vorwurf, die Unternehmen missbrauchten beim Emissionshandel ihre beherrschende Stellung auf dem deutschen Strommarkt für Großkunden, erklärte das Kartellamt. Es lägen "eine Reihe von Beschwerden der deutschen Industrie über die Preispolitik der großen deutschen Versorger vor".

Den Stromversorgern werde unter anderem vom Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft vorgeworfen, die unentgeltlich zugeteilten CO2-Zertifikate zu einem vielfach höheren Börsenpreis als Kosten in den Strompreis einzurechen, erklärte die Behörde. Auch werde der Kurs der Emissionszertifikate am Handelsplatz in Leipzig in die Höhe getrieben, indem nur wenige Transaktionen getätigt und nur geringe Mengen gehandelt würden.

Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) forderte RWE unterdessen auf, "nachvollziehbar darzulegen", ob und wie viele Emissionszertifikate seit Jahresbeginn erworben und verkauft worden seien. Der Brief des Umweltministers an den RWE-Vorstandsvorsitzenden Harry Roels sei auch an die Vorstandschefs von E.ON, EnBW und Vattenfall Europe geschickt worden, berichtet die "Financial Times Deutschland" (Freitagausgabe).

Eine Kartellamts-Sprecherin sagte auf Anfrage, mit der Aufforderung der Behörde zur Stellungnahme sei ein formelles Verfahren gegen E.ON und RWE eingeleitet. Ob weitere Unternehmen wie EnBW oder Vattenfall Europe einbezogen würden, sei noch nicht entschieden.