Vorstoß

Kanzlerin Merkel startet neue Klima-Initiative

Einen neuen Vorschlag für die weltweite Reduktion von Treibhausgasen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Besuch in Japan unterbreitet. Sie schlug vor, dass sich der Ausstoß von CO2 an der Bevölkerungszahl bemessen solle - eine alte Forderung der Schwellenländer.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin/Tokio (red) - Nach Merkels Vorschlag würde der CO2-Ausstoß pro Kopf errechnet. Der maximale CO2-Ausstoß eines Landes orientiert sich damit an der Bevölkerungszahl. Das heißt: je größer die Bevölkerungszahl eines Landes, desto mehr CO2 kann dieses Land ausstoßen. Jeder Mensch auf dieser Welt darf damit die gleiche Menge an Kohlendioxid produzieren.

Bisher wird der CO2-Ausstoß absolut gemessen. Danach gehören sowohl Deutschland als auch beispielsweise China zu den Ländern mit den höchsten Emissionswerten weltweit.

Es sei nicht ausreichend, wenn jeder beteuere, er gebe sich "so viel Mühe, wie er kann", sagte die Kanzlerin auf einem Symposium des Medienunternehmens Nikkei. Nötig seien "qualifizierbare Reduktionsziele" für das Treibhausgas Kohlendioxid.

Merkel geht bei ihrem Vorschlag davon aus, dass die Industrieländer möglichst weit mit ihrem Energieverbrauch zurückgehen. Damit fällt der Kohlendioxidausstoß pro Kopf. Die Schwellenländer jedoch sind auf Wachstum angewiesen. Nur so können sie die Armut überwinden. Das bedeutet aber auch: Ihr CO2-Ausstoß wird in den nächsten Jahren noch steigen. Letztendlich wird sich der Kohlendioxidausstoß pro Kopf in den Schwellenländern dem in den Industrieländern angleichen.

Wenn das Abkommen gerecht sein solle, sei jedoch eines klar, betonte die Kanzlerin: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Schwellenländer eines Tages mehr CO2 pro Kopf emittieren dürfen, als wir es in den Industrieländern tun." Stimmten die Schwellenländer dem Vorschlag zu, stünden sie vor der Aufgabe, ihren Schadstoffausstoß nicht so schnell ansteigen zu lassen. Das ginge mit "intelligentem Wachstum", erläuterte Merkel und dachte dabei an hochmoderne Umwelttechnologien - auch aus Deutschland.

 

Mit Merkels Vorschlag könnten die Schwellenländer mit rasant wachsenden Wirtschaften bei den 2009 anstehenden weltweiten Klimaverhandlungen mit ins Boot genommen werden. Die Kanzlerin verwies aber auch auf die wichtige Rolle der USA. "Die USA wird mitmachen. Sie muss aber auch mitmachen", sagte sie.