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"Wie Big Brother"

Kanadier wehren sich gegen "Spionage"-Stromzähler

In der kanadischen Provinz British Columbia werden jeden Tag rund 5000 Stromzähler durch moderne Messgeräte, die sogenannten Smart Meter, ersetzt. Dagegen regt sich jetzt Protest in der Bevölkerung, weil viele die Geräte als einen erheblichen Eingriff in die Privatsphäre betrachten.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Etwa 1,8 Millionen intelligente Stromzähler sollen insgesamt verbaut sein, wie die Welt online berichtet. Man habe die Bevölkerung nicht gefragt, ob die neuen Stromzähler überhaupt gewünscht seien. Das sind sie nämlich offensichtlich nicht.

"Diese Dinger funktionieren wie Big Brother," so der Ex-Premierminister von British Columbia, Bill Vander Zalm, laut Welt Online. Durch die zeitnahe Verbrauchsübermittlung wisse man, wann jemand nach Hause komme, in Urlaub fahre oder gar, was gekocht werde. Durch die häufige Übermittlung der Daten, nämlich einmal pro Stunde, würde zu viel über das Privatleben des Einzelnen verraten, finden auch die Bewohner von British Columbia. Prinzipiell könnte der Verbrauch auch auf die Sekunde genau erfasst werden.

Inselbewohner wollen alte Zähler behalten

Auf den Golfinseln vor Vancouver will man gar eine Smart-Meter-freie Zone einrichten. Dazu haben bereits einige Inselbewohner Mitarbeitern des Stromversorgers BC Hydro den Zugang zum Haus verwehrt oder ihren alten Stromzähler mit Stacheldraht gesichert. Dabei ist die Datenschutz-Frage nicht das einzige Problem, das die Smart-Meter-Gegener beschäftigt. Sie befürchten zudem eine Privatisierung, der die staatlichen Versorger zum Opfer fallen könnten. Dazu kommt noch die Angst vor einer möglichen Strahlenbelastung durch die digitalen Stromzähler. Die eingesetzten Geräte würden 100.000 Mal stärkere Signale aussenden als europäische Smart Meter und die gesetzlichen Grenzwerte hinkten denen in anderen Ländern hinterher.

Ziel: Energieverbrauch transparenter und günstiger machen

Smart Meter sollen eigentlich den Energieverbrauch transparenter machen und den Verbrauchern Sparpotenzial aufzeigen. Speziell in Kanada könnten so auch Stromdiebe schneller erwischt werden, die oberirdisch verlaufende Leitungen anzapfen. Außerdem sollen die intelligenten Zähler den Stromanbietern helfen, entsprechende flexible Tarife auf den Markt zu bringen, mit denen der Strom in verbrauchsschwächeren Zeiten billiger würde. Der "Welt" zufolge hat das in Kanada bisher eher nicht geklappt, denn die Strompreise seien nach der Einführung von Smart Metern in Ontario stark angestiegen.