Überraschung

Kampf und Endesa spitzt sich zu [Upd.]

Der Übernahmekampf um den größten spanischen Versorger Endesa hat sich überraschend zugespitzt. Neben dem größten deutschen Energiekonzern E.ON und dem spanischen Unternehmen Gas Natural ist nun auch der Mischkonzern Acciona an Endesa interessiert.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf/Madrid (red) - Das spanische Unternehmen will knapp 25 Prozent der Endesa-Anteile erwerben und ist diesem Ziel bereits sehr nahe gekommen. Welche Absicht Acciona verfolgt, ist noch unklar. Unterdessen hält der Düsseldorfer E.ON-Konzern weiter an seinen Übernahmeabsichten fest.

Acciona teilte am Dienstag in Madrid mit, man werde die Freigabe für eine Aufstockung der Beteiligung bis knapp unter 25 Prozent beantragen. 10 Prozent an Endesa erwarb der Konzern bereits am Montag für 3,4 Milliarden Euro. Zudem sicherte sich der Konzern den Zugriff auf weitere acht Prozent. Dafür benötigt er allerdings noch eine Genehmigung der spanischen Behörden. Der Aufbau der Beteiligung sei Teil der eigenen Strategie, in den Stromsektor zu expandieren, hieß es. "Wir wollen größter Aktionär werden. Wir wollen am Management teilnehmen. Wir wollen Endesa führen", sagte ein Acciona-Sprecher.

Der Schlüsselfunktion im Übernahmewettbewerb zwischen Gas Natural und E.ON sei Acciona sich genau bewusst. E.ON wird "mit uns sprechen müssen", sagte Acciona-Manager Javier de Mendizabal. Die Deutschen müssten ihren Angebotspreis entweder "erheblich erhöhen" oder die Offerte ganz zurückziehen. Zugleich betonte der Konzern, das Aktienpaket sei nicht spekulativer Natur. Allerdings behalte man sich die Möglichkeit eines Ausstiegs vor. In Kürze wolle man sich mit Endesa-Chairman Manuel Pizarro treffen, um über die künftige Rolle von Acciona bei Endesa zu sprechen.

E.ON hält ungeachtet der überraschenden Acciona-Beteiligung am Vorhaben der Übernahme des spanischen Stromversorgers fest, wie der Konzern in Düsseldorf mitteilte. E.ON bietet derzeit rund 26 Milliarden Euro, nachdem zuvor Gas Natural eine Offerte über 22 Milliarden Euro vorgelegt hatte. Man wolle mindestens 50,01 Prozent des Grundkapitals erwerben. Der Konzern würde mit der Übernahme zum weltgrößten Energieversorger aufsteigen.

Spanien, das eine Fusion innerhalb des Landes favorisiert, hat eine Übernahme durch E.ON an zahlreiche Bedingungen geknüpft, obwohl die EU-Kommission die Übernahme zuvor bereits ohne Auflagen genehmigt hatte. Unter anderem solle sich E.ON im Fall der Übernahme von rund einem Drittel der Stromerzeugungskapazitäten trennen. Begründet wurden die Auflagen mit der Versorgungssicherheit in Spanien. Die EU-Kommission erklärte die Bedingungen jedoch für rechtswidrig und fordert deren Aufhebung. Sie wollte am Dienstag eine Entscheidung treffen. Unterdessen verlor die E.ON-Aktie am Dienstag knapp drei Prozent.

Von Ralf Beunink

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