Kalifornien: Stromkrise spitzt sich zu / Politik wenig hilfreich

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com
Die kalifornischen Stromversorger befinden sich ein einem Dilemma, aus dem - so scheint es - die Politik nicht heraushelfen will. Im Zuge der Entregulierung der Stromwirtschaft, wurden die kalifornischen Strompreise bis 2002 eingefroren. D.h. die Stromkonzerne dürfen die Preise bis zu diesem Zeitpunkt nicht erhöhen. Soweit so gut, allerdings sorgten die Umstände im amerikanischen Sonnenstaat dafür, dass die Preise für Elektrizität auf dem freien Markt (dort müssen sich die Energieversorger ihren Strom besorgen, weil sie ihre Kraftwerke an unabhängige Stromversorger verkauft haben) enorm anstiegen. Dies kam zum einen daher, dass aus Gründen des Umweltschutzes in Kalifornien seit zehn Jahren keine Kraftwerke mehr gebaut worden sind, und in Amerika hauptsächlich Gaskraftwerke betrieben werden. Die US-Gaspreise liegen aus diesem Grund auf Rekordniveau und sorgen so dafür, dass die Stromerzeugung so teuer ist.


Aus diesem Grund mussten die beiden wichtigsten Stromversorger Kaliforniens Pacific Gas and Electric Co. und Southern California Edison Co. im letzten halben Jahr jeweils fünf Milliarden Dollar mehr für die Strombeschaffung ausgeben, als sie eingenommen haben. Im Überlebenskampf riefen die Unternehmen die für die Versorgungsunternehmen zuständige Aufsichtsbehörde CPUC an und forderten Kosten deckende Stromtarife, feste Obergrenzen für die fremden Strompreise oder andere Überlebenshilfen. Vergangene Woche entschied die Behörde jedoch lediglich, dass die Stromversorger ihre Strompreise für 90 Tage lang nur um durchschnittlich zehn Prozent anheben dürfen. Diese Entscheidung scheint wenig hilfreich, denn wie die Versorger jetzt bekannt gaben, fehlen ihnen verfügbare liquide Mittel und Kreditmöglichkeiten für den Stromeinkauf. So verbleiben möglicherweise nur noch einige Tage, um den 24 Millionen Menschen in den Versorgungsgebieten weiterhin Energie zu liefern, bevor das Geld ausgeht.


Diese Nachricht sorgte nicht nur an der Wall Street für Aufregung, auch die Kreditrating-Agenturen Standard & Poor's, Fitch und Moody's haben die Kreditratings der beiden Stromversorger scharf herab gestuft. Um die fatalen Konsequenzen zu verhindern, soll morgen in Washington ein Spitzentreffen mit Energieminister Bill Richardson und Finanzminister Lawrence Summers sowie den Chefs der beiden Versorger und dem Gouverneur von Kalifornien stattfinden.