Endlagerung

Kabinett stimmt Atommüll-Gesamtplan zu

Für die Lagerung von Atommüll wurde der erste Gesamtplan vom Bundeskabinett durchgewunken. Demnach soll es neben dem bisher einzigen Endlager in Salzgitter noch ein weiteres geben, in das dann auch der Atommüll aus dem ehemalige Salzbergwerk Asse überführt werden soll. Das zweite Endlager soll 2050 den Betrieb aufnehmen.

Atomstrom© papapopolus / Fotolia.com

Berlin/München (dpa/red) - Das Bundeskabinett hat eine erste Gesamtplanung zur Lagerung von abgebrannten Brennelementen und radioaktiven Abfällen gebilligt. Das sogenannte Nationale Entsorgungsprogramm aus dem Haus von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) muss bis zum 23. August bei der Europäischen Kommission vorliegen. Es steht allerdings noch unter Vorbehalt, weil die Endlagerkommission in diesen Fragen mitentscheiden darf. Die vom Bundestag eingesetzte Kommission soll ihren Bericht zur Suche nach einem geeigneten Endlager-Standort im Juni 2016 vorlegen.

Einziges Endlager bisher in Salzgitter

Alle Sorgen der Menschen in Salzgitter, wo das bisher einzige deutsche Atommüll-Endlager Schacht Konrad entsteht, konnte Hendricks in dem Bericht nicht zerstreuen. Doch im Vergleich zu einem früheren Entwurf ist die Festlegung auf eine Erweiterung der Lagerstätte jetzt nicht mehr so klar formuliert. In Salzgitter will man unter anderem verhindern, dass in dem Schacht neben den bisher genehmigten 303.000 Kubikmetern radioaktiver Abfälle zusätzlich noch bis zu 220.000 Kubikmeter Abfälle aus der maroden Schachtanlage Asse in Niedersachsen untergebracht werden. Auch eine Einlagerung von 100.000 Kubikmetern Abfall aus der Urananreicherungslage in Gronau ist im Gespräch.

Was passiert mit dem Asse-Müll?

Hendricks betonte, eine Alternative zu der Erweiterung in Salzgitter sei die Einlagerung der Abfälle aus der Asse in dem noch zu suchenden Endlager. Dazu wolle man erst die Meinung der Endlagerkommission hören. Die Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad hielt an ihrer Kritik fest. "So gewinnt man kein Vertrauen", erklärt Vorstand Ludwig Wasmus nach dem Kabinettsbeschluss.

Kosten für Schacht Konrad steigen

Auch ohne eine Erweiterung der Lagerstätte in dem ehemaligen Eisenerzbergwerk steigen die Kosten für Planung, Ausbau, Einlagerung und Stilllegung von Schacht Konrad. In dem Bericht wird eine Summe von insgesamt 7,5 Milliarden Euro genannt, die weit über früheren Schätzungen liegt. Die Sprecherin der Grünen-Fraktion für Atompolitik, Sylvia Kotting-Uhl erklärte: "Bei Schacht Konrad muss nicht an der Erweiterung gearbeitet werden, sondern als erstes an den grundsätzlichen Voraussetzungen." Zuerst müsse geklärt werden, ob Konrad überhaupt noch heutigen Sicherheitsanforderungen entspreche.

Wenig Antworten zur Finanzierung durch Energiekonzerne

Auf die Frage nach der Finanzierung der Entsorgung durch die Energiekonzerne liefert der Bericht wenig Antworten. Konkret besteht die Sorge, dass sich ein Teil der von den AKW-Betreibern für die Entsorgung gebildeten Rückstellungen dann, wenn die Kosten tatsächlich anfallen, durch Wertverlust und Verfahrenstricks verflüchtigt haben könnten.

Die Konzerne müssten für Kosten und Sicherheit dauerhaft gerade stehen, anstatt sich "im Krebsgang wegzuducken", sagte der Geschäftsführer des Bundesverbands Erneuerbarer Energien, Hermann Falk. "Wenn die Bundesregierung hier nicht schnell einschreitet, bleiben die Ewigkeitskosten der Atomenergie an den Steuerzahlern haften", warnte der Bundesgeschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Olaf Bandt.

Hendricks setzt auf eine Doppelstrategie

Zum Zeitplan heißt es in Hendricks Bericht, das Endlager für hochradioaktive Abfälle solle "um das Jahr 2050" in Betrieb gehen. Viele Experten glauben allerdings, dass es noch deutlich später werden könnte. Doch wohin dann mit dem Atommüll? Denn die Zulassung einiger Zwischenlager läuft schon früher aus.

Hendricks setzt auf eine Doppelstrategie. Einerseits will man sich um eine Verlängerung der Genehmigung einzelner Zwischenlager bemühen. Auch soll am Standort des - noch zu suchenden - Endlagers für hochradioaktive Abfälle zusätzlich ein "Eingangslager" entstehen. Dort sollen Castor-Behälter bis zu ihrer Verlegung in das Endlager aufbewahrt werden.

Spekulationen zur Haltung Bayerns

Das bayerische Umweltministerium trat am Mittwoch Spekulationen entgegen, Bayern wolle sich bei der Lagerung von Atommüll aus der Verantwortung stehlen. "Die Endlagersuche erfolgt in einem ergebnisoffenen Prozess", betonte ein Sprecher. Die CSU sträubt sich bislang gegen die Lagerung zusätzlicher Atommüll-Behälter mit im britischen Sellafield aufbereitetem Atommüll im Freistaat. Sie führe in dieser Sache aber derzeit "gute Gespräche mit Bayern", sagte Hendricks.

Quelle: DPA