Arbeit zu regenerativer Energierzeugung

"Jugend forscht": Tüftler erzeugen Strom aus Joghurtbakterien

Mithilfe von Joghurtbakterien erzeugen zwei junge Frankfurter Strom und können damit einen kleinen Propeller oder einen tragbaren CD-Player betreiben. Damit haben sich Alexej Grjasnow und Sebastian Spohner für den 43. Bundeswettbewerb von "Jugend forscht" qualifiziert.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Frankfurt am Main (ddp-hes/sm) - "Der Vorteil dieser Form der Stromerzeugung ist, dass es sich bei den mikrobiologischen Brennstoffzellen auf Basis von Joghurtbakterien um regenerative Energieträger handelt", sagt der 20-jährige Sebastian, "außerdem ist es mit unserer Methode möglich, aus Molke Strom zu gewinnen und damit ein Abfallprodukt aus der Milchproduktion sinnvoll aufzubereiten". Sebastian studiert im zweiten Semester Biochemie an der Universität Frankfurt, sein 19-jähriger Freund Alexej steckt gerade in den Abiturprüfungen.

Neun Monate lang haben die beiden erforscht, welche Stoffwechselprodukte der Bakterien für den Betrieb einer Brennstoffzelle und damit für die Erzeugung von Strom verantwortlich sind. Sie identifizierten zwei wesentliche Stoffe: Milchsäure (Lactat) für den Stromfluss und Glutathion für die Spannung. Beide Stoffe produzieren Joghurtbakterien in sehr hoher Konzentration, was die Stromgewinnung aus dem Milchprodukt effizienter macht als herkömmliche mikrobiologische Brennstoffzellen.

Alexej und Sebastian engagieren sich bereits seit mehreren Jahren in der Arbeitsgemeinschaft "Chemie und Umwelt" in ihrer Schule. Dietmar Scherr, Lehrer für Biologie, Physik und Chemie, hat hier mit seinen Schülern bereits mehrere Forschungen zum Thema "Regenerative Energien" angestellt. "Im Jahr 2006 haben wir bereits den zweiten Platz beim Bundeswettbewerb gewonnen", erzählt Sebastian nicht ohne Stolz, "damals haben wir mit einer vereinfachten Photosynthese Strom aus den Pflanzenfarbstoffen in Hibiskusblütentee erzeugt."

Effizienter als Brennstoffzelle

Mit der Stromerzeugung aus Joghurt haben die beiden Frankfurter nun nicht nur eine regenerative, sondern auch eine ziemliche effiziente Methode entwickelt. "Eine vier Quadratzentimeter große Joghurtbrennstoffzelle erzeugt eine Stromstärke von 0,5 bis 0,6 Volt. Das ist acht- bis zehnmal so viel Strom, wie bei einer gleichgroßen Brennstoffzelle, die mit üblichen Darmbakterien betrieben wird," weiß Alexej.

Gemeinsam mit neun weiteren hessischen Landessiegern in anderen Fachgebieten werden die beiden Jungforscher vom 22. bis zum 25. Mai ihr Projekt beim Bundesentscheid in Bremerhaven präsentieren und sich den kritischen Fragen der Jury stellen. 39 Projekte mit 65 Teilnehmern aus Hessen haben nach Angaben der Stiftung seit 1965 bereits einen Bundessieg errungen.

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