Hohe Energiekosten

Jeder fünfte NRW-Haushalt hat Zahlungsprobleme bei Stromrechnung

Die steigenden Energiekosten machen vielen einkommensschwachen Verbrauchern in Nordrhein-Westfalen zunehmend zu schaffen. Nach Angaben der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen befindet sich rund jeder fünfte Haushalt bei seinem Energieversorger in Zahlungsverzug oder in einem Mahnverfahren.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (ddp-nrw/sm) - Bei zwei Prozent aller Haushaltskunden sei 2007 sogar eine Stromsperre verhängt worden, teilten die Verbraucherschützer mit. "Das sind erschreckende Zahlen", sagte der Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, Klaus Müller. Viele Niedrigverdiener gerieten in einen regelrechten Teufelskreis, wenn zur laufenden Stromrechnung eine saftige Nachtragszahlung dazukomme. Wegen fehlender Rücklagen könnten die betroffenen Kunden nicht zahlen und seien dann kurzerhand mit einer Stromsperre konfrontiert.

Mit Blick auf den Weltverbrauchertag am Samstag forderte Müller den Bund auf, in Sachen Energierechnung sozialverträgliche Lösungen für einkommensschwache Haushalte auf den Weg zu bringen. Dazu müsse vor allem ein verbindliches Verbot für Stromsperren gehören, wenn Kunden aufgelaufene Rechnungen nicht mehr aus eigener Kraft bezahlen könnten. "Energieversorgung ist fester Bestandteil allgemeiner Daseinsvorsorge und muss für jeden gewährleistet sein", betonte Müller. "Deshalb darf das Kappen der Stromversorgung nicht länger bittere Realität sein."

Vom Bund fordern die NRW-Verbraucherschützer auch die Einführung eines Strom-Sozialtarifs. Bei diesem Tarifmodell soll für einkommensschwache Haushalte der Grundpreis wegfallen. Auf diese Weise könnten sich die jährlichen Stromkosten für Geringverdiener um rund 15 Prozent vermindern, sagte Müller. Für die Einführung dieses Tarifs müsse der Gesetzgeber den Kreis der Anspruchsberechtigten klar definieren und für ein faires Umlageverfahren sorgen.

Die Verbraucherschützer sehen auch die vier großen Energieversorger RWE, E.ON, EnBW und Vattenfall in der Pflicht und fordern die Einrichtung eines gemeinnützigen Fonds im Volumen von zwei Milliarden Euro. Der Fonds soll bedürftigen Haushalten Hilfen für die Energieeinsparung und Zuschüsse für die Anschaffung stromsparender Haushaltsgeräte gewähren. Angesichts der sprudelnden Gewinne der Energiekonzerne sei ein solcher Fonds "mehr als angemessen", sagte Müller. "Die Energieversorger sollten dringend mehr Kundennähe zeigen", fügte er hinzu.

Aber auch die Verbraucher selbst könnten durch mehr Energiebewusstsein Strom sparen, betonten die Verbraucherschützer. Dazu gehöre insbesondere der Verzicht auf den Stand-by-Betrieb von Elektrogeräten. Mit einem gut durchgerechneten Wechsel des Anbieters könne ein Vier-Personen-Haushalt pro Jahr zudem bis zu einem Fünftel der Stromkosten sparen.