Schwachstellenanalyse gefordert

Jeden zweiten Tag für 90 Minuten Stromausfall in Hamburg

In Hamburg ist nach einer Erhebung des Senats im letzten Jahr im Schnitt jeden zweiten Tag für anderthalb Stunden der Strom ausgefallen. Davon seien insgesamt mehr als 324.000 Haushalte betroffen gewesen, sagte die SPD-Energie- und Verbraucherschutzexpertin Monika Schaal zu den Ergebnissen einer Senatsanfrage.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg (ddp-nrd/sm) - Konkret seien im Vorjahr 180 Mal für durchschnittlich 85,6 Minuten irgendwo in der Hansestadt die Lichter ausgegangen. Damit habe sich die Zahl der Unterbrechungen weiter erhöht. Von 1990 bis 2005 lag der Mittelwert Schaal zufolge noch bei 168 Stromausfällen für jeweils 16 Minuten. Dies habe rund 190.000 Haushalte betroffen. "Es liegt der Verdacht nahe, dass zu wenig für die Netzstabilität getan wurde, und das rächt sich jetzt", sagte Schaal. Die Verbraucherzentralen hätten bereits 2005 darauf hingewiesen, dass die Netzinvestitionen seit der Liberalisierung des Strommarkts von 3,6 auf 2 Milliarden Euro zurückgegangen seien und sich damit fast halbiert hätten.

Mehr als 90 Prozent der Stromausfälle seien durch Kabelstörungen und Beschädigungen bei Tiefbauarbeiten verursacht worden. Der Senat müsse vom Betreiber Vattenfall Europe eine Schwachstellenanalyse einfordern und auf Abhilfe dringen, sagte Schaal.

Dagegen verwies Vattenfall darauf, dass Ende März vergangenen Jahres großflächige Stromausfälle durch eine Windhose im Hamburger Süden mit 77.000 betroffenen Kunden besonders zu Buche geschlagen seien. Grundsätzlich aber ließen sich "Schwankungen von Jahr zu Jahr nicht vermeiden". Vattenfall habe in den vergangenen Jahren durchschnittlich rund 100 Millionen Euro jährlich in die Hamburger Netze investiert.

Der Senat hatte die einst städtischen Hamburgischen Electricitäts-Werke (HEW) von 1999 bis 2002 in mehreren Schritten an den schwedischen Vattenfall-Konzern verkauft. Hamburg hatte für den Verkauf einen Milliarden-Betrag kassiert und damit Haushaltslöcher gestopft. Bürgermeister Ole von Beust (CDU) hatte den HEW-Verkauf Anfang Juli vor dem Hintergrund steigender Strompreise als Fehler bezeichnet. Derzeit steht Vattenfall auch wegen einer Pannenserie in seinen Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel in der Kritik.