Defizite

Japans Handel leidet sehr durch Fukushima

Erdbeben, Tsunami und die Atomkatastrophe von Fukushima haben der Exportnation Japan zum ersten Mal seit 31 Jahren ein Handelsdefizit beschert. Dabei trieben vor allem teure Energieimporte die Importkosten in die Höhe. Auch die starke Landeswährung war für das Handelsdefizit mitverantwortlich. Gerade die starken Branchen litten unter den Folgen der Naturkatastrophen.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Tokio (afp/red) - Im vergangenen Jahr überstiegen die Einfuhren die Ausfuhren um 2492 Milliarden Yen (25 Milliarden Euro), wie das Finanzministerium in Tokio am Mittwoch mitteilte.

"Es war das schlimmste Jahr für Japans Handel seit 1980", sagte Satoshi Osanai vom Forschungsinstitut Daiwa. Verantwortlich dafür seien Einbrüche im Export und Zunahmen bei den Importen wegen des höheren Bedarfs an alternativen Energien. Als Folge der Atomkatastrophe von Fukushima waren Ende 2011 von 54 japanischen Atomkraftwerken nur sechs am Netz.

Autohersteller und Halbleiterindustrie mit schwachen Zahlen

Der Wert der Importe nahm im Vergleich zu 2010 vor allem wegen der Einfuhr von Rohöl und Flüssiggas um 12,0 Prozent zu. Im Gegenzug gingen die Exporte um 2,7 Prozent zurück. Dafür waren vor allem rückläufige Exportzahlen der Autohersteller (minus 12,1 Prozent) und der Halbleiterindustrie (minus 14,2 Prozent) verantwortlich.

Die beiden starken Branchen der japanischen Wirtschaft litten besonders unter den Folgen des Erdbebens und des Tsunamis vom 11. März. Fabriken wurden beschädigt oder zerstört, Lieferketten waren wochenlang unterbrochen. Nachdem sich die Betriebe gerade etwas erholt hatten, sorgte das Hochwasser in Thailand im Herbst für neue Probleme: Die Zulieferung von Einzelteilen und Fertigerzeugnissen geriet abermals ins Stocken.

Toyota litt besonders unter den Folgen der Erdbebenkatastrophe und verkaufte im vergangenen Jahr nur noch 7,95 Millionen Autos weltweit. Im Vergleich zu 2010 gingen die Verkaufszahlen, die die Marken Toyota, Lexus, Daihatsu sowie die Lastwagen-Tochter Hino einschließen, um 6,0 Prozent zurück. Toyota hatte die Liste der größten Autohersteller der Welt von 2008 bis 2010 angeführt. Im vergangenen Jahr wurden die Japaner vom US-Hersteller General Motors (9,03 Millionen verkaufte Autos), Volkswagen (8,16 Millionen Autos) und dem französisch-japanischen Konkurrenten Renault-Nissan (8,03 Millionen Autos) überholt.

Starke Währung verteuert Produkte

Verstärkt wurden die Probleme durch die historische Stärke der japanischen Landeswährung Yen, die die Ausfuhr von in Japan gefertigten Waren verteuerte. Investoren flüchteten angesichts der angespannten Lage an den internationalen Finanzmärkten in den sicheren Yen. Im zweiten Halbjahr 2011 gingen die Einnahmen der japanischen Firmen auch wegen der Schuldenkrise in der Euro-Zone und der rückläufigen Weltkonjunktur zurück.