szmtag
25.01.2012, 10:27 Uhr

Strom-News

Defizite

Japans Handel leidet sehr durch Fukushima

Erdbeben, Tsunami und die Atomkatastrophe von Fukushima haben der Exportnation Japan zum ersten Mal seit 31 Jahren ein Handelsdefizit beschert. Dabei trieben vor allem teure Energieimporte die Importkosten in die Höhe. Auch die starke Landeswährung war für das Handelsdefizit mitverantwortlich. Gerade die starken Branchen litten unter den Folgen der Naturkatastrophen.

Fukushima

Tokio (afp/red) - Im vergangenen Jahr überstiegen die Einfuhren die Ausfuhren um 2492 Milliarden Yen (25 Milliarden Euro), wie das Finanzministerium in Tokio am Mittwoch mitteilte.

"Es war das schlimmste Jahr für Japans Handel seit 1980", sagte Satoshi Osanai vom Forschungsinstitut Daiwa. Verantwortlich dafür seien Einbrüche im Export und Zunahmen bei den Importen wegen des höheren Bedarfs an alternativen Energien. Als Folge der Atomkatastrophe von Fukushima waren Ende 2011 von 54 japanischen Atomkraftwerken nur sechs am Netz.

Autohersteller und Halbleiterindustrie mit schwachen Zahlen

Der Wert der Importe nahm im Vergleich zu 2010 vor allem wegen der Einfuhr von Rohöl und Flüssiggas um 12,0 Prozent zu. Im Gegenzug gingen die Exporte um 2,7 Prozent zurück. Dafür waren vor allem rückläufige Exportzahlen der Autohersteller (minus 12,1 Prozent) und der Halbleiterindustrie (minus 14,2 Prozent) verantwortlich.

Die beiden starken Branchen der japanischen Wirtschaft litten besonders unter den Folgen des Erdbebens und des Tsunamis vom 11. März. Fabriken wurden beschädigt oder zerstört, Lieferketten waren wochenlang unterbrochen. Nachdem sich die Betriebe gerade etwas erholt hatten, sorgte das Hochwasser in Thailand im Herbst für neue Probleme: Die Zulieferung von Einzelteilen und Fertigerzeugnissen geriet abermals ins Stocken.

Toyota litt besonders unter den Folgen der Erdbebenkatastrophe und verkaufte im vergangenen Jahr nur noch 7,95 Millionen Autos weltweit. Im Vergleich zu 2010 gingen die Verkaufszahlen, die die Marken Toyota, Lexus, Daihatsu sowie die Lastwagen-Tochter Hino einschließen, um 6,0 Prozent zurück. Toyota hatte die Liste der größten Autohersteller der Welt von 2008 bis 2010 angeführt. Im vergangenen Jahr wurden die Japaner vom US-Hersteller General Motors (9,03 Millionen verkaufte Autos), Volkswagen (8,16 Millionen Autos) und dem französisch-japanischen Konkurrenten Renault-Nissan (8,03 Millionen Autos) überholt.

Starke Währung verteuert Produkte

Verstärkt wurden die Probleme durch die historische Stärke der japanischen Landeswährung Yen, die die Ausfuhr von in Japan gefertigten Waren verteuerte. Investoren flüchteten angesichts der angespannten Lage an den internationalen Finanzmärkten in den sicheren Yen. Im zweiten Halbjahr 2011 gingen die Einnahmen der japanischen Firmen auch wegen der Schuldenkrise in der Euro-Zone und der rückläufigen Weltkonjunktur zurück.

© 2001-2012 strom-magazin.de

Diesen Artikel empfehlen

Der Newsletter von Strom-Magazin.de

Ähnliche Nachrichten zur News "

Japans Handel leidet sehr durch Fukushima

"
  • Weiteres AKW in Japan vorübergehend abgeschaltet
    kernkraftwerk;kraftwerk Der japanische Energieversorger Tepco hat die vorübergehende Abschaltung seines vorletzten noch aktiven Atomreaktors angekündigt. Der Reaktor Kashiwazaki-Kariwa 5 an der Westküste werde am Mittwoch zu Wartungsarbeiten für mindestens fünf Monate abgeschaltet.
  • Atomland Frankreich leistet Sicherheits-Offenbarungseid
    Frankreich Es wurde erst nach der Katastrophe von Fukushima überprüft, was Bürger als selbstverständlich angenommen hatten: die Sicherheit der Atomkraftwerke bei Naturkatastrophen wie Erdbeben und Überschwemmungen. Die nuklearen Anlagen in Frankreich sind offenbar bislang nicht dafür gerüstet.
  • Japan verkündet Kaltabschaltung in Fukushima
    Atomzeichen Der japanische Ministerpräsident Yoshihiko Noda hat verkündet, die Situation im havarierten Reaktor sei unter Kontrolle, das Kraftwerk in Fukushima befinde sich im Zustand der Kaltabschaltung. Diese Bezeichnung wird jedoch von Sicherheitsexperten kritisiert: Eine Kaltabschaltung gebe es nur im Normalbetrieb.
  • Fukushima verschwindet aus den Köpfen
    kraftwerk Der Krisen-Effekt war nicht nachhaltiger Natur: Das unabhängige Verbraucherportal Verivox hat ermittelt, dass sowohl das Interesse an Ökostrom als auch die Großhandelspreise für Strom wieder auf das Niveau vor der Atomkatastrophe in Fukushima gesunken sind.
  • Krebsbefund des Ex-Fukushima-Direktors sei keine Folge der Havarie
    Atomkraft Der ehemalige Direktor des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima hat Speiseröhrenkrebs. Der 56-jährige Masao Yoshida habe dies nach anfänglichen Bedenken nun öffentlich gemacht. Die Erkrankung sei jedoch keine direkte Folge der Atomkatastrophe, so die Betreiberfirma Tepco.
Strompreise
Strom-Infos
Strom kündigen
Ratgeber und Infos
?>