Fukushima

Japaner halten ihre Atomkraftwerke nicht für sicher

Das Vertrauen der japanischen Bevölkerung ist nach Tsunami und Atomkatastrophe erschüttert und zwar hinsichtlich des Krisenmanagements der eigenen Regierung genauso sehr wie im Bezug auf die Sicherheit der japanischen Atomkraftwerke. Trotzdem befürwortet nur die Hälfte einen Abbau der Kernenergie.

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Tokio/Minamisanriku (dapd/red) - Das Vertrauen der japanischen Bevölkerung in das Krisenmanagement ihrer Regierung ist fünf Monate nach dem schweren Erdbeben im Nordosten des Landes auf einem Tiefpunkt. Wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur AP und des Meinungsforschungsinstituts GfK ergeben hat, gehen 82 Prozent davon aus, dass im Falle einer weiteren Naturkatastrophe keine zuverlässige Hilfe aus Tokio zu erwarten ist.

Fukushima: Aufbau im Land geht nur langsam voran

Acht von zehn glaubten nicht, dass ihnen nach den Ereignissen vom 11. März von offizieller Seite die Wahrheit erzählt worden sei, heißt es in der am Donnerstag vorgestellten Studie weiter. Auch sechs Monate nach dem verheerenden Tsunami ist die japanische Nordostküste weit davon entfernt, zu einem normalen Leben zurückzukehren: Inzwischen wurden zwar mehr als 2.000 Wohncontainer aufgestellt, die Hauptstraßen von Geröll befreit und Telefonmasten wieder aufgestellt. Doch der Wiederaufbau schleppt sich dahin. Viele Menschen, gerade aus den kleinen Dörfern, gelten noch als vermisst. Andere ziehen aus der Gegend weg.

Diejenigen, die bleiben, wohnen dicht an dicht in ihren Fertighäusern. Nach den Monaten des gemeinsamen Lebens in Turnhallen bedeuten die Container zumindest ein wenig Privatsphäre. Aber sie bedeuten auch Rechnungen für Wasser und Strom und das Einkaufen von Lebensmitteln. Nicht einfach, wenn der nächste Laden 40 Kilometer entfernt liegt.

Hälfte der Japaner will Zahl der Atomkraftwerke reduzieren

60 Prozent der Bevölkerung haben laut Umfrage zudem kein oder nur noch geringes Vertrauen in die Sicherheit der japanischen Atomkraftwerke. Eine Reduzierung der im Land betriebenen Meiler wird von etwas mehr als der Hälfte der Japaner befürwortet. Fünf Prozent der Befragten wünschen sich sogar einen Ausbau der Kernenergie. Allerdings gaben 84 Prozent der Befragten die Entwicklung neuer Energiequellen als eines der wichtigsten Ziele für das kommende Jahrzehnt an. Als noch bedeutender wird laut Studie lediglich der Wiederaufbau der durch Erdbeben und Tsunami zerstörten Regionen angesehen: Hierfür sprachen sich 96 Prozent aus.