"Irreführend"

Japan verkündet Kaltabschaltung in Fukushima

Der japanische Ministerpräsident Yoshihiko Noda hat verkündet, die Situation im havarierten Reaktor sei unter Kontrolle, das Kraftwerk in Fukushima befinde sich im Zustand der Kaltabschaltung. Diese Bezeichnung wird jedoch von Sicherheitsexperten kritisiert: Eine Kaltabschaltung gebe es nur im Normalbetrieb.

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Hamburg (red) - Im Falle einer Katastrophe sei der Begriff der Kaltabschaltung nicht vorgesehen und irreführend, wie ein Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Reaktorsicherheit im Gespräch mit Spiegel Online sagte. "Das suggeriert eine Normalität, die in Fukushima aber nicht gegeben ist", sagte Pressesprecher Sven Dokter dazu.

Voraussetzungen erfüllt, dennoch keine Entwarnung

Nach den Ausführungen von Dokter müssen drei Voraussetzungen gegeben sein, um der gängigen Definition von Kaltabschaltung zu entsprechen: Die Anlage muss abgeschaltet sein, es dürfen keine Kernspaltungen stattfinden; im Inneren darf kein erhöhter Druck herrschen; die Temperatur muss unter 100 Grad Celsius liegen. Diese Kriterien seien offenbar erfüllt, trotzdem könne keine Entwarnung gegeben werden.

Weiteres Austreten von Radioaktivität verhindern

Der stabile Zustand könne sich schnell ändern, wenn ein erneutes Beben stattfände oder Kühlsysteme ausfielen, so Dokter zum "Spiegel". Für 2012 plant Tepco, die Brennelemente aus Reaktor 4 abzutransportieren. Das Dach des Lagerbeckens wurde zerstört, sodass Dokter den sicheren Abtransport als wichtiger ansieht als die Verkündung der Kaltabschaltung. Auch sei es wichtiger, das weitere Austreten von Radioaktivität zu verhindern, da immer wieder belastetes Wasser durch Risse im Reaktorbehälter sickere.