Das war 2009

Jahresrückblick auf die Energiepolitik und -wirtschaft

Der Ausbau erneuerbarer Energien, der Streit um Laufzeiten von Atomkraftwerken, die Vorbereitungen für den Klimagipfel in Kopenhagen und dessen faktisches Scheitern - lesen Sie hier einen Überblick über einige wichtige Ereignisse im Jahr 2009.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Linden (ddp/red)

7. Januar

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) informiert erstmals detailliert über die in das niedersächsische Atommülllager Asse einfließenden Laugen. Der Verdacht, dass Laugen mit dem dort gelagerten Atommüll Kontakt hatten, erhärtet sich im Laufe der kommenden Monate und löst eine Grundsatzdebatte über den Umgang mit Atommüll aus.

27. Februar

Mit einer rund 50 Kilometer langen Lichterkette protestieren Umweltschützer in Niedersachsen gegen Atomkraft und die ungelöste Entsorgung radioaktiver Abfälle. An der Aktion beteiligen sich nach Polizeiangaben rund 10 000 Menschen.

Nachdem Block B des Atomkraftwerks Biblis bereits Ende Januar für eine Revision abgeschaltet wurde, fährt die Betreibergesellschaft RWE nun auch Block A herunter. Die Revision soll rund 70 Millionen Euro kosten.

28. März

Knapp 4000 Städte weltweit schalten für eine Stunde das Licht aus, um ein Zeichen für mehr Engagement für den Klimaschutz zu setzen. Hunderte Sehenswürdigkeiten lagen im Dunkeln, von den Pyramiden von Gizeh bis zum New Yorker Times Square.

1. April

Das Bundeskabinett beschließt den Gesetzentwurf über die Abscheidung, den Transport und die dauerhafte Speicherung von Kohlendioxid in tiefen Gesteinsschichten (Carbon Capture and Storage, CCS).

23. Juni

Kurz nach Wiederanfahren des Atomkraftwerks Krümmel gibt es dort erneut eine Panne. Das Kraftwerk bleibt zunächst vom Netz. Später wird bekannt, dass das Werk offenbar nur knapp einem ähnlich folgenschweren Trafobrand wie vor zwei Jahren entgangen ist.

8.-10. Juli

Beim G8-Gipfel im italienischen L'Aquila bekennen sich die sieben führenden Industrienationen und Russland zu ihrer Vorreiterrolle im Kampf gegen die Erderwärmung. Wichtige Schwellenländer wie Indien und China akzeptieren zudem erstmals, dass auch sie den Ausstoß von Treibhausgasen reduzieren müssen.

13. Juli

Die Desertec-Initiative wird in München gegründet. Zwölf Konzerne unterzeichnen eine Vereinbarung zum Bau großer Solarkraftwerke in der Sahara, die die Energieversorgung Europas revolutionieren sollen.

24. Juli

Im Atomkraftwerk Emsland in Lingen kommt es zu einer Schnellabschaltung des Reaktors. Grund dafür ist die nicht ordnungsgemäß funktionierende Überwachungseinrichtung eines Maschinentrafos.

1. September

Die erste Stufe des sogenannten „Glühbirnen“-Verbotes tritt in Kraft. Die 100-Watt-Birnen verschwinden aus den Läden, bis zum 1. September 2012 werden dann auch die übrigen Glühbirnen vom Markt genommen. Einige Verbraucher reagieren mit Hamsterkäufen.

5. September

Zehntausende Kernkraft-Gegner aus allen Teilen Deutschlands nehmen an einer Protestaktion unter dem Motto «Mal richtig abschalten!» gegen die weitere Nutzung der Atomenergie teil. Der Zug, in dem auch rund 350 Traktoren mitfahren, führt vom Berliner Hauptbahnhof durch das Regierungsviertel zum Brandenburger Tor.

9. September

Der Energieversorger LichtBlick stellt das sogenannte Zuhause-Kraftwerk vor. Tausende solcher Mini-Kraftwerke sollen zu einem Großkraftwerk vernetzt werden.

16. September

Die Bundesregierung treibt den Ausbau von Offshore-Windenergie voran. Das Bundeskabinett verabschiedet einen Plan, mit dem Flächen in der Nordsee für den Bau von Windrädern ausgewiesen werden.

27. September

Union und FDP gehen als Sieger aus der Bundestagswahl hervor. Dies bringt der Atomindustrie neue Hoffnung auf eine Verlängerung der Laufzeiten ihrer Atomkraftwerke.

29. September

Innerhalb von 24 Stunden nach der Bundestagswahl haben im Internet mehr als 25.000 Menschen einen schnelleren Atomausstieg gefordert.

1. Oktober

Die neue Energieeinsparverordnung (EnEV) tritt in Kraft. Damit werden die Vorgaben für den Energieverbrauch von Neubauten sowie bei der Modernisierung von Altbauten verschärft.

10. Oktober

Der größte deutsche Energiekonzern E.ON verkauft sein Höchstspannungsnetz an den niederländischen Netzbetreiber TenneT für über eine Milliarde Euro.

7. Dezember

In Kopenhagen kommen Vertreter aus 193 Ländern zum Klimagipfel zusammen, um über ein Nachfolgeabkommen des Kyoto-Protokolls zu beraten, dessen Verpflichtungsperiode Ende 2012 ausläuft. Ziel ist die Vereinbarung von Maßnahmen, die die Erderwärmung um mehr als zwei Grad Celsius verhindern. Neben US-Präsident Barack Obama wird auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beim Gipfel erwartet.

9. Dezember

Das Bundeskabinett verabschiedet einen Plan, mit dem Flächen in der Ostsee für den Bau von Offshore-Windkraftanlagen ausgewiesen werden.

19. Dezember

Die Kopenhagener Weltklimakonferenz ist weitgehend gescheitert. Die Konferenzteilnehmer verständigen sich lediglich darauf, die umstrittene «Kopenhagener Vereinbarung» zur Kenntnis zu nehmen. Die von einer kleinen Runde von Staaten ausgehandelte Vereinbarung fand keine Mehrheit. Um das Dokument in Kraft zu setzen, hätten alle teilnehmenden Staaten zustimmen müssen.