Angehalten

Italien stoppt Wiedereinstieg in Atomenergie

Der italienische Senat hat dem von der Regierung vorgeschlagenen Stopp des geplanten Wiedereinstiegs in die Atomenergie zugestimmt. Das Oberhaus in Rom verabschiedete am Mittwoch einen am Vortag von der Regierung eingereichten Entwurf. Nun muss das Abgeordnetenhaus dem Antrag noch zustimmen.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Rom (afp/red) - Der Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Paolo Romani, sagte der Zeitung "Il Sole 24 Ore", sein Land werde nach den Akw-Stresstests der EU eine "gemeinsame Entscheidung" über die künftige Energiepolitik treffen. Er sei überzeugter Anhänger der Atomkraft, derzeit sei diese Haltung aber "kulturell nicht akzeptiert".

Die Regierung in Rom hatte unter dem Eindruck der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima am 23. März ein einjähriges Planungsmoratorium für Atomkraftwerke verhängt. Vergangene Woche sagte Ministerpräsident Silvio Berlusconi, vermutlich seien zwei Jahre nötig, um "die Italiener davon zu überzeugen", dass die Atomkraft sicher sei. Mit dem nun eingeleiteten Stopp des Wiedereinstiegs in die Atomenergie will die Regierung laut Medienberichten eine von der Opposition für den 12. und 13. Juni durchgesetzte Befragung der italienischen Bevölkerung über die Atomkraftnutzung verhindern. Umfragen zufolge ist die Mehrheit der Italiener gegen den Bau von neuen Akw.

Italien, das nach der Katastrophe in Tschernobyl 1986 im folgenden Jahr aufgrund eines Referendums aus der Atomenergie ausgestiegen war, hatte im Jahr 2008 wieder ein Gesetz zur Planung von Meilern beschlossen. Ab dem Jahr 2014 sollten Atomkraftwerke gebaut werden, die ab dem Jahr 2020 in Betrieb gehen sollten. Nun sollen laut Romani die Akw-Stresstests der EU abgewartet werden. Vorgenommen werden die Tests von den nationalen Behörden, die dann ihre Ergebnisse an die Kommission melden. In einem Bericht sollen die Experten Brüssels dann die Ergebnisse bewerten. Geplant ist, dass die Erkenntnisse der Überprüfungen noch dieses Jahr veröffentlicht werden.