Kehrtwende

Italien beschließt endgültig Rückkehr zum Atomstrom

Italien hat am Mittwoch endgültig die Rückkehr zum Atomstrom beschlossen. Das entsprechende Dekret wurde vom Kabinett in Rom verabschiedet, wie das Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung mitteilte. Die Berlusconi-Regierung hatte einen entsprechenden Schritt bereits angekündigt.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Mailand (afp/red) - Mehr als zwei Jahrzehnte nach einer Volksabstimmung, die den Ausstieg aus der Atomindustrie vorsah, gewährt Italien damit der Atomwirtschaft einen neuen Anlauf.

Als Ministerpräsident Silvio Berlusconi im Jahr 2008 erneut an die Macht kam, hatte er dies bereits angekündigt. Berlusconis Regierung will bis zum Jahr 2030 den Anteil des Atomstroms am gesamten Bedarf auf 25 Prozent herauffahren. Die Energiekonzerne EDF aus Frankreich und Enel aus Italien beschlossen im vergangenen Jahr, gemeinsam vier Atomkraftwerke zu bauen.

Grundlage der Rückkehr zum Atomstrom ist ein Gesetz vom Juli 2009. Die Bauarbeiten für neue Atomkraftwerke sollen 2013 beginnen, die Produktion soll im Jahr 2020 anlaufen. Mit dem Regierungsdekret vom Mittwoch werden die Kriterien zur Standortwahl und die Subventionen für jene Regionen festgelegt, die sich zum Bau von Atommeilern bereiterklären.

Die Betreiber werden verpflichtet, nach dem Ende der Laufzeiten die Kosten für die Stilllegung zu tragen. Auch soll in Italien eine Anlage für die Aufarbeitung von Atommüll gebaut werden. Die Atompolitik dürfte bei den Regionalwahlen Ende März eine wichtige Rolle spielen.

Nach der Reaktorexplosion von Tschernobyl am 26. April 1986 kamen amtlichen Schätzungen zufolge mehr als 25.000 Menschen ums Leben. Rund 2,3 Millionen Ukrainer leiden nach offiziellen Angaben noch heute an den Folgen des Unglücks. Bei einer Volksabstimmung im November 1987 hatten rund zwei Drittel der Italiener für den Ausstieg aus der Atomkraft gestimmt.