Kampf dem Klimawandel

IPCC-Bericht sorgt weiter für Streit um Atomenergie

Der neue UN-Klimabericht heizt die Debatte um die deutsche Energie- und Klimaschutzpolitik weiter an. Glos fordert längere AKW-Laufzeiten, Umweltschützer und Grüne warnen davor, aus Klimaschutzgründen weiter auf Atomkraft zu setzen. Zudem fordern die Grünen von der Regierung konkrete Klimaschutzmaßnahmen.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Der am Freitag veröffentlichte Bericht ist der dritte und letzte Teil des IPCC-Reports. Danach müssen die CO2-Emissionen bis 2050 im Vergleich zu 1990 weltweit halbiert werden, um den Klimawandel in einem "beherrschbaren Rahmen" zu halten, wie das Bundesumweltministerium mitteilte. Dazu müssten die erneuerbaren Energien erheblich ausgebaut und die Energieeffizienz "massiv gesteigert" werden. Die dazu erforderlichen Technologien stünden bereit, müssten aber konsequenter eingesetzt werden.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) wertete den Bericht als Beleg dafür, dass die "Klimakatastrophe" noch abwendbar sei. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte, die Kernbotschaft des Reports sei, dass die "schlimmsten Folgen des Klimawandels" noch abgewendet werden könnten, sofern "die Menschheit sich zu schnellem Handeln durchringen" könne. Zugleich mache der Bericht deutlich, dass "ein anspruchsvoller Klimaschutz wirtschaftlich tragbar" sei. So werde das jährliche weltweite Wirtschaftswachstum mit einer Verringerung um etwa 0,1 Prozent dadurch kaum beeinträchtigt.

Für den Direktor des UN-Umweltprogramms, Achim Steiner, zeigt der Report, dass "wir uns die Entkoppelung von Wachstum vom CO2-Ausstoß leisten können". Die Reduktion der Treibhausgase um 50 Prozent bis 2050 sei "volkswirtschaftlich machbar" und "technologisch umsetzbar".

Grünen-Chefin Claudia Roth forderte, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) müsse die Teilnehmer des G8-Gipfels in Heiligendamm "auf das Zwei-Grad-Ziel verpflichten", damit die Klimakonferenz auf Bali eine Chance habe. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast plädierte für ein "verbindliches Klimaziel von mindestens 40 Prozent bis 2020 und 80 Prozent bis 2050". Entschieden wandte sich Künast dagegen, "unter dem Deckmantel des Klimaschutzes den Atomkonsens aufzukündigen". Ähnlich äußerten sich Roth und die BUND-Vorsitzende Angelika Zahrnt. Atommeiler könnten keinen Beitrag zum Klimaschutz leisten, da ein Ausbau der Kernenergie zu teuer und schon aufgrund der begrenzten Uran-Vorkommen nicht möglich sei, betonte Zahrnt.

Dagegen forderte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU), die Laufzeiten sicherer Kernkraftwerke zu verlängern. Sonst entstehe eine "Lücke" bei der Stromerzeugung, die durch fossile Energien geschlossen werden müsse. "Für den Klimaschutz wäre das fatal", warnte Glos.