Sicherheitskonferenz

Internet-Angriffe bedrohen auch die Stromversorgung

Für Innenminister Thomas de Maizière (CDU) ist das Internet für Deutschland eine genauso lebenswichtige Infrastruktur wie die Strom-und Wasserversorgung. Deshalb müsse es mit internationalen Regeln vor Angriffen geschützt werden, wie de Maizière am Samstag auf der Münchner Sicherheitskonferenz forderte.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

München (dapd/red) - Für EU-Energiekommissar Günther Oettinger ist das Stromnetz "die Achillesferse." Eine sichere Stromversorgung sei von der Sicherheit der IT-Netze abhängig.

Systeme sind digital angreifbar

Deutsche-Telekom-Chef René Obermann sagte, der auf Industriesteuerungen spezialisierte Virus Stuxnet sei ein Weckruf für alle. Von der Stromversorgung über die Flugkontrolle bis zur Gesundheitsinfrastuktur würden immer mehr Systeme auf IT-Plattformen gestellt. "Das bedeutet auch, dass diese Systeme digital angegriffen werden können", sagte Obermann. Diese Gefahr werde bisher nicht ernst genug genommen. "Wir müssen schnell handeln", forderte der Telekom-Vorstandschef.

Alle zwei Sekunden ein Angriff aufs Internet

Laut de Maizière gibt es alle zwei Sekunden in Deutschland einen Angriff irgendeiner Form im Internet, wobei die Grenzen zwischen Kriminalität , Spionage und Terror unscharf seien. Der Bund baue eine Abwehr für seine Daten und Kommunikationswege auf, aber "wenn der Zahlungsverkehr in Deutschland lahmgelegt wird, nützt ein sicheres Regierungsnetz wenig", sagte der Innenminister. Wenn das Internet nicht geschützt werden könne, werde es für Armeen, Banken und Regierungen eigene Netze geben.

Der estnische Präsident Toomas Ilves sagte, Angreifer im Internet seien schwer zu identifizieren, sollten aber mit Vergeltung rechnen müssen. Der indische Nationale Sicherheitsberater Shivshankar Menon warf die Frage auf, ob bei Angriffen im Internet das Kriegsvölkerrecht gelte. "Schon jetzt haben die Probleme das Vertrauen zwischen den Nationen erschüttert", sagte Menon.