renewables 2004

Internationale Konferenz für erneuerbare Energien eröffnet

In Bonn wollen sich derzeit mehr als 130 Minister und 154 Delegationen auf gemeinsame Ziele zum weltweiten Ausbau erneuerbarer Energien verständigen. Anlässlich der internationalen Konferenz finden zahlreiche Veranstaltungen und Workshops statt. Zum Schluss soll ein Aktionsprogramm verabschiedet werden.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Bonn (red) - Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul und Bundesumweltminister Jürgen Trittin haben heute die Internationale Konferenz für erneuerbare Energien renewables 2004 in Bonn eröffnet. Bis zum 4. Juni wollen sich mehr als 130 Minister und 154 Delegationen auf Ziele zum weltweiten Ausbau erneuerbarer Energien verständigen. Auch zahlreiche nationale und internationale Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen und multilaterale Organisationen wie die Weltbank und die UN-Organisation für Umwelt (UNEP) sind hochrangig vertreten.

Wieczorek-Zeul: Höchste Zeit für Energiewende

"Die gestiegenen Ölpreise zeigen: es ist höchste Zeit für eine Energiewende", sagte Wieczorek-Zeul bei der Eröffnung. "Diese Energiewende kann aber nur gelingen, wenn sie global ist. Denn wegen der Emissionen und des Wettlaufs um knappe fossile Ressourcen gibt es für alle Menschen auf diesem Globus - egal ob hier bei uns oder in China, Kenia oder Brasilien - nur eine gemeinsame Zukunft. Wir müssen jetzt handeln und weltweit auf erneuerbare Energien und bessere Energieeffizienz setzen."

Trittin: Aktionen statt Deklarationen

Jürgen Trittin betonte: "Diese Konferenz ist etwas Neues. Wir wollen hier in Bonn die freiwilligen Initiativen zum Ausbau erneuerbarer Energien mit den Strukturen der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung zusammenbringen. Hier in Bonn geht es - anders als bei den Klimaschutzkonferenzen - nicht so sehr um Deklarationen. Im Mittelpunkt der renewables 2004 stehen Aktionen. Wir brauchen einen beschleunigten globalen Ausbau der erneuerbaren Energien. Hier in Bonn müssen wir Nägel mit Köpfen machen!"

Ziel: Verabschiedung eines Aktionsprogramms

Ziel ist vorallem die Verabschiedung eines gemeinsamen Aktionsprogramms, in dem die Regierungen darlegen, mit welchen konkreten Programmen sie die erneuerbaren Energien ausbauen wollen. Zudem soll es eine gemeinsame politische Erklärung geben, in der sich die anwesenden Regierungen ihrer Vision einer neuen Energiezukunft versichern. Das gemeinsame Ziel wird voraussichtlich lauten: Bis zum Jahr 2015 soll eine Milliarde Menschen mit Energie aus erneuerbaren Quellen versorgt werden.

Im Rahmen der Konferenz finden zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen statt. Heute um 17.30 Uhr beispielsweise eröffnet der Bundesverband Solarindustrie (BSi) sein Café Solar. Es ist ein Stahlskelettbau, dessen Dach und Fassade vollständig aus Solarstrommodulen, Solarwärmekollektoren und farbigen Gläsern besteht. Es sind Solarzellen von allen sechs deutschen Herstellern eingebaut. Zum Auftakt der Konferenz hat auch die WWF-Jugendorganisation "Young Panda" ihren Traum von der Energieversorgung von morgen symbolisch umgesetzt. Am Eingang zum Tagungszentrum bauten die fünf- bis zehnjährige Naturschützer unter professioneller Anleitung eine Erneuerbare- Energien-Landschaft aus Tausenden von LEGO-Steinen.

Demonstration für Energiewende

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) nutzte das Forum gemeinsam mit dem internationalen Netzwerk "Friends of the Earth" (FOE) für eine Demonstration. Mit einem Riesen-Dinosaurier setzten sich die Aktivisten für die globale Energiewende ein. Unter dem Motto "Fossile ins Museum - die Zukunft ist erneuerbar" werben die Umweltorganisationen für einen schnellen Abschied von der Stromerzeugung auf Basis von Kohle, Öl und Erdgas und für einen Umstieg auf erneuerbare Energien.

DBV: Bauern mit Schlüsselrolle bei Bioenergie

Der Deutsche Bauernverband (DBV) wies auf die Bedeutung der Energieerzeugung aus land- und forstwirtschaftlicher Biomasse (Bioenergie) hin. "Biomasse kann weltweit von Landwirten für die Gewinnung von Energie zur Verfügung gestellt werden, sei es in Form von Strom, Kraftstoff oder Wärme. Damit erhält die Landwirtschaft eine Schlüsselrolle bei einem nachhaltigen Energiekonzept ohne Raubbau an der Natur zu", erläuterte DBV-Präsident Gerd Sonnleitner.

Germanwatch: Kein Gipfel, sondern ein Prozess

"Germanwatch"-Experte Christoph Bals forderte im Gespräch mit dem ARD-Nachrichtenportal tagesschau.de die Selbstverpflichtung möglichst vieler Bonner Konferenz-Teilnehmerstaaten auf einen höheren Anteil an erneuerbaren Energien. Es solle regelmäßig überprüft werden, ob die Selbstverpflichtung eingehalten werde. "Was wir brauchen, ist ein funktionierender Prozess und kein einmaliger Gipfel. Davon hatten wir genug in der Vergangenheit", so Bals mit Blick auf das festgefahrene Klimaabkommen von Kyoto.