Auslands-Aktivitäten

Industrie will offenbar Staatshilfe beim AKW-Bau

Die Energiewende im eigenen Land geht voran, der Atomausstieg ist beschlossen. Die Industrie jedoch investiert weiter in die Atomkraft und möchte dafür auch noch staatliche Hilfen. Wie der Spiegel berichtet, gibt es mehrere Anfragen für sogenannte Hermes-Bürgschaften, mit denen der Bau von Atomkraftwerken im Ausland unterstützt werden soll.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Hamburg (dapd/red) - Trotz des beschlossenen Atomausstiegs in Deutschland setzt die Industrie einem Medienbericht zufolge weiter auf staatliche Hilfe beim weltweiten Bau von Kernkraftwerken. Der Bundesregierung lägen derzeit vier Gesuche für den Bau oder Ausbau von Anlagen in Finnland, Großbritannien, China und Indien vor, berichtete das Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" am Freitag vorab.

Dabei handele es sich um Hermes-Exportbürgschaften, die eine Lieferung ins Ausland absichern. Atomkraftgegner stoßen sich dem Bericht zufolge besonders an der möglichen Bürgschaft für ein Projekt im indischen Jaitapur, das in einer Erdbebenregion liegt. Eine weitere Bürgschaft für ein brasilianisches AKW, ebenfalls in einer erdbebengefährdeten Region, wurde vor Kurzem erst verlängert.

Streit bei Umwelt- und Wirtschaftsministerium

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) sind in der Frage, woher Deutschland in Zukunft seinen Strom beziehen soll, gespalten. Wie "Der Spiegel" berichtete, will Rösler stärker als bisher geplant in zusätzliche Kohle- und Gaskraftwerkeinvestieren. In einem Papier des Wirtschaftsministeriums sei von "circa 17 neuen Großkraftwerken" bis zum Jahr 2022 die Rede.

Röttgen bekräftigte hingegen am Freitag, bei den Kraftwerkskapazitäten gebe es bis 2020 "kein Problem". Darüber seien sich auch alle Vertreter der Energiewirtschaft, mit denen Röttgen von Dienstag bis Freitag Gespräche geführt hatte, einig gewesen.