Branche wehrt sich

Industrie reagiert verschnupft auf Strompreis-Studie

Am Dienstag hatten die Grünen eine Studie veröffentlicht, wonach Stromkonzerne ihren Kunden in diesem Jahr rund eine Milliarde Euro zu viel in Rechnung stellen würden - die Preise an der Strombörse zeigten dies. Die Industrie hingegen wehrt sich gegen diese Sichtweise - und stellt weiter steigende Preise in Aussicht.

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Berlin (afp/red) - Die Preise im Stromeinkauf seien zuletzt um 30 bis 40 Prozent gesunken, die Preise für Stromkunden aber im Schnitt um sieben Prozent gestiegen, heißt es in der am Dienstag veröffentlichten Untersuchung der Grünen-Bundestagsfraktion. Laut Strombranche steigen die Preise voraussichtlich auch 2011 weiter.

Unter dem Strich sank der Einkaufspreis für Strom laut der Studie seit 2008 um 0,8 Cent pro Kilowattstunde. Diese Ersparnis sei nicht an die Kunden weitergegeben worden. Bei einem jährlichen Stromverbrauch von zuletzt 131 Milliarden Kilowattstunden ergebe sich die Summe von einer Milliarde Euro, die den Verbrauchern im gesamten Jahr 2010 vorenthalten werde.

Der Bundesverband der Elektrizitäts- und Wasserwirtschaft (BDEW) wies die Ergebnisse der Studie zurück. Der Branchenverband verwies auf die steigenden Abgaben für die Förderung erneuerbarer Energien, die den Strompreis nach oben trieben. Zudem verwies der Verband darauf, dass der an private Endverbraucher verkaufte Strom von den Firmen "bis zu drei Jahre" im Voraus beschafft werde.

Deshalb sei der starke Preisrückgang im Stromgroßhandel im Jahr 2008 noch nicht bei den Endkunden angekommen. Noch im Jahr 2009 hatte der BDEW mehrmals erklärt, viele Unternehmen beschafften ihren Strom "ein bis zwei Jahre" im Voraus und hatte für Ende 2009 sinkende Strompreise in Aussicht gestellt.

Nun heißt es von Seiten der Branche, Verbraucher müssten sich auch im kommenden Jahr auf höhere Strompreise einstellen. "Wir rechnen in der Tendenz mit weiter steigenden Preisen", sagte ein BDEW-Sprecher der Nachrichtenagentur AFP. Verantwortlich dafür sei, dass wohl auch im kommenden Jahr die Umlage für erneuerbare Energien weiter steigen werde. Dies werde voraussichtlich auch die Entwicklung bei den Einkaufspreisen für Strom kompensieren, die sinken könnten.

Die Strompreise in Deutschland steigen seit zehn Jahren. Nach der Liberalisierung 1998 waren zahlreiche neue Anbieter auf den Markt gekommen. Danach waren die Strompreise zwei Jahre lang gesunken. Dann aber verschwanden viele neue Anbieter vom Markt. Die vier großen Stromkonzerne Eon, RWE, EnBW und Vattenfall teilten die Erzeugung in Deutschland quasi unter sich auf.

Anschließend stiegen die Preise, obwohl der Wechsel zu einem günstigeren Stromanbieter zuletzt deutlich einfacher wurde. Ein Musterhaushalt mit drei Personen zahlte im Jahr 2000 nach BDEW-Angaben im Schnitt noch 40,66 Euro. Im vergangenen Jahr waren es bereits 67,60 Euro, ein Plus von 66 Prozent.