Verlängerung

In Planung: Längere Laufzeiten für Brunsbüttel und Biblis A

Das in die Kritik geratene Atomkraftwerk (AKW) Brunsbüttel könnte nach Presseinformationen womöglich länger als im Atomkonsens geplant in Betrieb bleiben, ohne dass es dagegen eine rechtliche Handhabe gibt. Für Biblis A bereitet der Betreiber RWE einen entsprechenden Antrag vor.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Frankfurt am Main/Berlin (ddp/sm) - Wie die "Frankfurter Rundschau" berichtet, könnte der Meiler Brunsbüttel, der regulär im Februar 2009 vom Netz gehen müsste, die bisher nicht verbrauchten Reststrommengen aus dem vorzeitig stillgelegten AKW Stade übernehmen.

Ein Sprecher des Vattenfall-Konzerns sagte der Zeitung, im Zuge der Pläne für eine Laufzeitverlängerung für Brunsbüttel würde auch diese Möglichkeit einer Übertragung von Strommengen aus Stade geprüft. Eine Entscheidung werde jedoch erst 2007 fallen.

Das AKW Stade hatte bei seiner Stilllegung 2003 noch eine nicht genutzte Reststrommenge von 4700 Gigawattstunden übrig, die dem Eigner E.ON zugeschlagen wurden. E.ON ist zu einem Drittel an Brunsbüttel beteiligt. Mit dem Stromguthaben aus Stade könnte der umstrittene Meiler ein knappes Jahr länger laufen als im Atomkonsens vereinbart und so über die Bundestagswahl 2009 hinaus in Betrieb bleiben, schreibt die Zeitung.

Der Essener Energiekonzern RWE wird in Kürze bei der Bundesregierung eine Verlängerung der Laufzeit für das Atomkraftwerk Biblis A in Hessen beantragen. Die internen Vorbereitungsarbeiten für dieses Antragsverfahren seien weitgehend abgeschlossen, so dass die förmliche Antragstellung in den nächsten Wochen erfolgen könne, sagte das für die Stromerzeugungssparte verantwortliche Vorstandsmitglied Jan Zilius der "Berliner Zeitung". Der Reaktor ist seit 1974 in Betrieb und müsste nach dem derzeit geltenden Atomkonsens spätestens 2008 vom Netz genommen werden.

Angesichts der aktuellen Diskussion über die Entwicklung der Strompreise verwies Zilius auf den preisdämpfenden Effekt, der mit einer solchen Laufzeitverlängerung verbunden sei. Gehe es nach dem geltenden Ausstiegsszenario, müssten bis zum Ende der Legislaturperiode 2009 gleich drei Reaktoren mit einer Gesamtleistung von 2 800 Megawatt abgeschaltet werden. Eine solche Angebotsverknappung habe "natürlich Auswirkungen auf die Preisentwicklung am Strommarkt". Dieser Problematik müsse sich auch die Politik stellen, und das völlig unabhängig davon, wie sie jeweils zu Nutzung der Kernenergie stehe.