Für Stromerzeugung

In Herten startet Pilotprojekt zur Wasserstoff-Produktion

Ein bundesweit einmaliges Projekt zur regenerativen Energieerzeugung geht im Ruhrgebiet an den Start. In Herten (Kreis Recklinghausen) will das Erlanger Solartechnik-Unternehmen Solar Millenium AG eine großtechnische Demonstrationsanlage zur Gewinnung von Wasserstoff aus Biomasse bauen.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Herten (ddp-nrw/sm) - Nach den am Mittwoch in Herten vorgestellten Plänen ist das Projekt Teil des neuen Wasserstoff-Kompetenzzentrums Herten, das derzeit auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Ewald entsteht. In einem 40 Meter hohen Turm sollen pro Jahr aus rund 48.000 Tonnen Laub und Grünschnitt rund 150 Kubikmeter Wasserstoff erzeugt werden. Mit dem daraus gewonnenen Strom lassen sich den Angaben zufolge rund 12.000 Haushalte versorgen. Das "Blauer Turm" genannte Projekt hat ein Investitionsvolumen von 26 Millionen Euro, an dem sich das Land Nordrhein-Westfalen beteiligen wird. Solar Millenium rechnet mit einem Förderbescheid zur Jahresmitte.

Geplanter Baubeginn ist Sommer. Ende 2009 soll die Anlage ihren Betrieb aufnehmen. Der aus dem produzierten Wasserstoff erzeugte Strom spart nach den Angaben pro Jahr 18 Millionen Kubikmeter Erdgas und 15.000 Tonnen Kohledioxid. In einer kleineren Pilotanlage ebenfalls in Herten hat Solar Millenium die Funktionsfähigkeit des Prinzips in den vergangenen Jahren bereits getestet. Nun gehe es darum, das Verfahren zur Marktreife zu bringen, hieß es.

Das Wasserstoff-Kompetenzzentrum "H2 Herten" soll auf einer Fläche von 50 Hektar im Zuge des Strukturwandels aus der ehemaligen Bergbaustadt ein Zentrum für neue Energien machen. Auf dem ehemaligen Zechengelände Ewald wollen sich dazu ab der zweiten Jahreshälfte Firmen aus dem Bereich Brennstoffzellen- und Wasserstofftechnik ansiedeln. Kernstück des neuen Büro- und Hallenkomplexes wird dabei ein mit neuester Technik ausgestattetes Forschungs- und Entwicklungslabor sein. Der wegen seiner Höhe gut sichtbare "Blaue Turm" soll das Aushängeschild des Zentrums werden.

Mit dem "Blauen Turm" hat Solar Millenium energietechnisch Neuland betreten. Üblicherweise wird aus Biomasse mit Hilfe von Bakterien Biogas erzeugt. Dort hingegen werden Biomassen unter Sauerstoffabschluss durch Wärmezufuhr ohne bakterielle Mitwirkung zersetzt. Diesen Vorgang nennt man Pyrolyse. Das dabei unter Zugabe von Wasserdampf entstehende wasserstoffreiche "blaue Gas" ist zur Gewinnung von Strom und Wärme in Gasmotoren oder Brennstoffzellen geeignet oder kann zu reinem Wasserstoff aufbereitet werden.

Mit dem Einstieg in die Biomasse-Verwertung will Solar Millenium, nach eigenen Angaben Marktführer bei solarthermischen Parabolrinnen-Kraftwerken, in seinem Kerngeschäft weiter punkten. Denn mit Unterstützung des Blauen Turms könnten Solarkraftwerken künftig rund um die Uhr laufen, erläuterte Vorstandschef Henner Gladen. Der über Wasserstoff aus Biomasse erzeugte Strom liefere klimafreundlich den Grundlastbedarf, wenn die Sonne nicht scheine. Der Blaue Turm sei dabei ein "Allesfresser": Je nach Bauart funktioniere die Anlage auch mit Hühnermist oder Olivenkernen.