Insolvenzen

In der Solarbranche geht es weiter bergab

Die Untergangsstimmung in der deutschen Solarwirtschaft hält an. Mit dem Anlagenbauer Centrotherm aus Blaubeuren bei Ulm steht eine weitere Firma der von Überkapazitäten, Billigkonkurrenz und Förderkürzungen gebeutelten Branche am Scheideweg. In letzter Zeit häufen sich die Insolvenzen in der Solarbranche, einige geben der Konkurrenz aus Asien die Schuld.

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Blaubeuren (dapd/red) - Wegen möglicher Zahlungsunfähigkeit beantragte das 1976 gegründete Unternehmen Centrotherm ein Schutzschirmverfahren, eine Form der Insolvenz, die eine Rettung zunächst ohne Druck durch die Gläubiger ermöglichen soll.

Die Hiobsbotschaften häuften sich zuletzt. Mitte Mai reihte sich der Solarmodulhersteller Sovello aus Sachsen-Anhalt in die lange Liste der insolventen Solarfirmen ein, zu der auch schon Solar Millennium, Solon, Solarhybrid und Q-Cells zählen. Mitte Juni hatte bereits Solarwatt aus Dresden beim Amtsgericht ein Schutzschirmverfahren beantragt. 460 Arbeitsplätze stehen bei dem Hersteller von Photovoltaik-Komplettsystemen auf dem Spiel.

Ein Ende der Krise ist nicht in Sicht

Auch die mehrheitlich zur Bosch-Gruppe gehörende Aleo Solar kämpft gegen die Krise. Am Montag kündigte die Firma an, ihr Werk in Spanien zum Ende des Jahres zu schließen. Angesichts der schwierigen Marktlage sei die Auslastung des Stammwerks in Prenzlau in der Uckermark "oberstes Ziel", erklärte Vorstandschef York zu Putlitz.

Selbst der deutsche Branchenprimus Solarworld aus Bonn schwächelt und reagiert mit einem massiven Stellenabbau auf die Misere. Allein im sächsischen Freiberg sollen bis zum Jahresende 250 von 1.800 Stellen wegfallen, zumeist Jobs von Angestellten mit befristeten Verträgen und von Leiharbeitern, kündigte Solarworld Anfang Juni an.

Chinesische Firmen als Sündenbock

Vor allem für die reinen Hersteller von Solarzellen hierzulande wird es angesichts billigerer Konkurrenz vor allem aus Asien eng. Als Schuldigen der Krise hat Solarworld auch die chinesischen Firmen ausgemacht, die dank hoher staatlicher Subventionen ihre Produkte zu unfairen Dumpingpreisen auf den Markt bringen könnten. In den USA hat Solarworld bereits gemeinsam mit mehreren US-Firmen Strafzölle bis zu 250 Prozent auf Solarimporte aus China erstritten. Für Europa ist eine entsprechende Klage in Vorbereitung.

Nicht alle Solarfirmen aber unterstützen die Initiative gegen China. Der Chemiekonzern Wacker etwa, der Polysilicium für die Photovoltaik herstellt, lehnt Strafzölle ab. Vorstandschef Rudolf Staudigl glaubt nicht, dass solche Maßnahmen die heimische Branche schützen. "Im Gegenteil, sie beeinträchtigen die Zukunftschancen der Photovoltaik", sagte er. Ein Handelskrieg wäre schädlich für alle.