Studie

Immer wieder Öko-Desaster beim Abbau von Importkohle

Kurz vor der RWE-Hauptversammlung haben Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen den Energieriesen und seine Mitbewerber aufgefordert, von ihren Steinkohle-Lieferanten weltweit die Einhaltung ökologischer und sozialer Standards zu verlangen. Dabei geht es um Raubbau an der Natur, aber auch um Menschenrechtsverletzungen.

Kohle© Katarzyna M. Wächter / Fotolia.com

Sassenberg/Köln (AFP/red) - RWE müsse Geschäfte mit Firmen stoppen, die diese Standards nicht einhalten, erklärten das Menschenrechtsnetzwerk FIAN und die Umweltorganisation Urgewald am Mittwoch. Eine aktuelle Studie beider Organisationen belege massive ökologische Probleme und Menschenrechtsverletzungen beim Kohleabbau in den wichtigsten Lieferländern.

Schlimme ökologische und soziale Folgen

In der Studie "Bitter Coal - Deutschlands Steinkohleimporte" appellieren Urgewald und FIAN an die Energieversorger RWE, EON, STEAG, Vattenfall und EnBW, unter anderem die Namen und Bezugsmengen der Kohleminen offenzulegen, aus denen sie Steinkohle beziehen. "Für die über 30 Millionen Tonnen importierte Steinkohle, die in unseren Kraftwerken jährlich verbrannt werden, verlieren Indigene in Kolumbien ihr Land, werden in den USA Bergspitzen weggesprengt und in Russland sowie Südafrika Flüsse und Grundwasser vergiftet", heißt es in der Untersuchung.

Hauptherkunftsländer der Importkohle sind demnach Kolumbien und Russland, gefolgt von den USA, Polen und Südafrika. Mit Blick auf die USA erklärte Paul Corbit Brown von der US-Initiative "Keepers of the Mountains", in den Appalachen werde Kohle abgebaut, "indem die Bergspitzen weggesprengt werden und der Abraum in die Täler verfüllt wird". "Dabei wird das Wasser verseucht und die älteste und artenreichste Gebirgslandschaft Nordamerikas unwiderruflich zerstört."

Ermittlungen wegen Menschenrechtsverletzungen

In Kolumbien führt die Studie Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit dem Kohleabbau auf. So habe ein Gericht im Verfahren um den Mord an zwei Gewerkschaftsführern in Kolumbien im Januar 2013 die Staatsanwaltschaft angewiesen, Ermittlungen unter anderem gegen ehemalige und nach wie vor aktive Führungskräfte des in Kolumbien tätigen US-Kohleproduzenten Drummond einzuleiten.

Die Autoren der Studie fordern die fünf großen Energieversorger auf, Baupläne für weitere Kohlekraftwerke aufzugeben und sich finanziell daran zu beteiligen, die "durch ihren bisherigen Kohleverbrauch entstandenen Schäden zu beseitigen". An die Bundesregierung appellieren die Verfasser des Dossiers, die Energieversorger rechtlich zur Sorgfalt zu verpflichten, "dass sie keine Kohle importieren, deren Abbau mit schwerwiegenden menschenrechtlichen, sozialen oder ökologischen Problemen verbunden ist".

Quelle: AFP