Leiden unter hohen Preisen

Immer mehr Betriebe wollen mehr Energie sparen

Für viele Betriebe war Energiesparen bisher kein großes Thema. Doch in jüngster Zeit suchen immer mehr Firmen Beratung bei der Energieagentur NRW. Insgesamt schlummert in den Betrieben nach Berechnung der Energieagentur ein Einsparpotenzial bei den Energieausgaben von über 14 Milliarden Euro pro Jahr.

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Düsseldorf (ddp-nrw/sm) - Es sind nicht nur die privaten Verbraucher, die in diesen Tagen regelmäßig Gänsehaut bekommen, wenn sie die stetig steigenden Energiepreise betrachten. Auch dem Herzstück der deutschen Wirtschaft, den kleinen und mittelständischen Unternehmen, machen die wachsenden Energiekosten zunehmend zu schaffen. "Die Entwicklung ist mehr als besorgniserregend", sagt Herbert Schulte, nordrhein-westfälischer Landesvorsitzender des Bundesverbandes Mittelständische Wirtschaft (BVMW).

Daher suchen die Mittelständler in NRW intensiv nach Möglichkeiten zum Energiesparen. "Wir haben in den letzten Monaten bis zu 25 Prozent mehr Anfragen von Firmen bekommen als im Vorjahreszeitraum", berichtet Norbert Hüttenhölscher, Leiter der Energieagentur Nordrhein-Westfalen. Seit den 1990er Jahren schon berät die Einrichtung mittelständische Unternehmen und Kommunen, wie man Energie sparsamer und effizienter einsetzen kann. Nach Erfahrung Hüttenhölschers lassen sich in nahezu jeder Firma je nach Branche Einsparpotenziale zwischen 4 und 30 Prozent finden.

Energiesparen steht hoch im Kurs

Aufgrund der gestiegenen Preise steht das Energiesparen nun auch bei Firmen hoch im Kurs, "für die Energie bisher nie ein Thema war", wie Hüttenhölscher feststellt. Zudem amortisierten sich jetzt Investitionen in Sparmaßnahmen um rund 20 Prozent schneller als noch vor Jahren.

Denn während besonders energieintensive Betriebe in der Regel ein eigenes Energiemanagement haben, lief für die Mehrheit der Betriebe das Thema Energie bislang nebenher. Laut BVMW macht bei rund zwei Drittel aller Betriebe die Energie weniger als 20 Prozent der Gesamtkosten aus, im Schnitt sind es zwischen zwei und fünf Prozent des Umsatzes - nicht viel auf den ersten Blick. "Wenn aber die Firma ihre Energiekosten nicht an die Kunden weitergeben kann, drückt ein Preisanstieg ganz schnell auf den Gewinn", macht Hüttenhölscher klar.

14 Millionen Euro Einsparspotenzial in NRW

Das "Zauberwort" heißt deshalb Energieeffizienz - mehr Leistung aus der gleichen Energiemenge herausholen. Sparpotenziale schlummern nicht nur in der Produktion, sondern können auch durch Wärmerückgewinnung aus Abwärme oder Abwasser gewonnen werden. Unnötig große Energiefresser sind außerdem oft veraltete Pumpen sowie falsch eingestellte Raumheizungen und die Beleuchtung.

Auch schlecht gewartete Druckluftanlagen kosten viel Geld. Durch unbemerkte Lecks oder Kompressoren, die auch nach Feierabend angeschaltet bleiben, gehen den Unternehmen pro Jahr rund 150 Millionen Euro verloren. "Druckluft ist in vielen Produktionsbetrieben zwar der Stromkostenfresser Nummer eins. Doch weil das Thema Druckluft so unspektakulär ist, wird es als Energiespar-Möglichkeit völlig unterschätzt", sagt Hüttenhölscher.

Addiert man alle Einsparmöglichkeiten in den mittelständischen Betrieben, kommen Fachleute auf ein immenses Potenzial: Nach EA-Berechnungen schlummert in allen deutschen Firmen ein jährliches Energieeinsparpotenzial von mehr als 14 Milliarden Euro.

Geld sparen durch Stromanbieterwechsel

Aber nicht nur im Unternehmen suchen die Geschäftsführungen zunehmend nach Energiesparmöglichkeiten. Viele Firmen schauen sich inzwischen auch ihren Stromvertrag genauer an. Lassen sich die Firmen bislang überwiegend von den örtlichen Stadtwerken oder den vier Großanbietern E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW beliefern, werden unabhängige Stromanbieter mehr und mehr interessant.

Davon profitiert auch der auf Mittelständler spezialisierte Duisburger Stromanbieter PCC. "Wir haben mehr Zulauf", sagt Geschäftsführer Thomas Spinnen. PCC bietet unter anderem längerlaufende Lieferverträge von bis zu vier Jahren, verbunden mit Festpreisgarantien. Spinnen: "Auch bei Betrieben mit nicht so hohem Energieverbrauch ist die Planungssicherheit bei den Energiekosten jetzt in den Vordergrund gerückt."