Abkehr vom Atomausstieg

IHK für Neubau von Atomkraftwerk in NRW

Die Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen fordern von der Politik ein klares Bekenntnis zum Erhalt der Kernkraft als Energiequelle. Neben einer Laufzeitverlängerung bestehender AKW müsse deshalb auch über eine Modernisierung der Meiler nachgedacht werden, heißt es in einem Positionspapier zur Energiepolitik.

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Düsseldorf (ddp-nrw/red) - Auch den Bau eines Atomkraftwerkes im bislang kernenergiefreien NRW wollen die Kammern nicht ausschließen. Auch Nordrhein-Westfalen könne an der Kernenergie "nicht auf Dauer vorbeigehen", sagte der Präsident der Vereinigung der NRW-IHK, Paul Bauwens-Adenauer. Dagegen hatte sich Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) jüngst klar gegen ein Atomkraftwerk im bevölkerungsreichsten Bundesland ausgesprochen.

In dem Positionspapier machen sich die Kammern für eine Energiepolitik stark, die sich zum Erhalt der Energiesicherheit alle Optionen offen halten müsse. "Angesichts der zunehmenden Abhängigkeit Deutschlands von Energieimporten dürfen wir uns keiner Energiequelle verschließen", sagte Bauwens-Adenauer.

CO2-Zeritfikate kosten Unternehmen Milliarden

Die Kammern sehen die Kernkraft auch als Hilfsmittel, die Kosten für die Wirtschaft durch den Emissionshandel mit Kohlendioxid-Zertifikaten zu senken, da AKW anders als Kohlekraftwerke kein CO2 produzierten. Der Emissionshandel benachteiligt aus Sicht der Kammern Deutschland gegenüber Länder mit hohem Kernenergieanteil wie Frankreich. In Deutschland stammen rund 22 Prozent des Stroms aus Kernkraft, in Frankreich sind es dagegen fast 80 Prozent.

Allein zwischen 2013 und 2020 komme auf Unternehmen wegen der CO2-Zertifikate eine Belastung von 92 Milliarden Euro zu, wird in dem Papier vorgerechnet. Das Festhalten zumindest an der bestehenden Kernkraftwerksleistung sei eine wirksame Option, diese Belastung zu verringern, sagte Bauwens-Adenauer. Zur weiteren Entlastung der Wirtschaft gehöre auch, dass die Ökosteuer abgeschafft wird.

Kohle weiternutzen und Erneuerbare ausbauen

Darüber hinaus sprechen sich die IHK für eine konsequente Nutzung heimischer Energieträger wie Stein- und Braunkohle aus. Bei der Steinkohle soll dies aber nur dauerhaft gelten, wenn die Förderung langfristig ohne Subventionen auskomme. Ein klares Bekenntnis zu einem Sockelbergbau nach dem geplanten Ende der Steinkohleförderung 2018 wollen die Kammern deshalb nicht geben. Auch wollen sie, dass erneuerbare Energien aus Wind, Wasser und Sonne ausgebaut werden.

Die Kammern in NRW haben ihre energiepolitischen Positionen den Angaben zufolge in sechs Workshops zusammen mit 400 Unternehmen erarbeitet. Die 16 IHK im Bundesland vertreten die Interessen von mehr als 900.000 Mitgliedsunternehmen.